OM13 Gate

Dies ist ein Blogpost vom letzten Jahr.
Aus aktuellen Gründen – OM14 – und da es weiterhin viele Spekulationen darüber gibt, die schlicht und einfach falsch sind, nehme ich es, leicht bearbeitet und mit einem Nachtrag versehen, wieder auf:

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OM13 ist ein Gate. Ein überraschend heftiges und lang andauerndes Gate.  Und ich bin gewiss nicht die einzige, die, als es bereits Gate genannt wurde, sich fragte: wie, Gate? Wo is’n hier ein Gate? Doch et kütt wie et kütt.

Nun hat der Nutellaberliner eine vorläufige Zusammenfassung abgegeben: Was wir wissen und was er vermuten kann.  Vorläufig. Denn zu Recht weist er darauf hin, dass sie nicht vollständig ist. Auch nicht vollständig sein kann, denn etwas fehlt notgedrungen: der Kontext, in dem die Affäre bei denen steht, die mit Domino schon lange getwittert und auch ihren Blog verfolgt haben. Wobei dieser Kontext auch bei mir nicht vollständig ist, denn gerade die Blogposts, die sich mit Feminismus/Genderismus befassten, habe ich eher links liegen lassen, denn sooo von zentraler Wichtigkeit ist dieses Thema für mich nicht; gehört eher zu den Themen, bei denen ich mir sage, gibt genug andere die sich damit befassen, muss ich nicht auch noch tun.  Mich haben eher andere Sachen interessiert, weil mich die Sicht einer anderen Generation interessiert. Ein Blogpost über alte Hochbunker in der Stadt ist mir da besonders in Erinnerung – und der hatte nun überhaupt nichts mit Feminismus zu tun. Deswegen sind für mich diverse Spekulationen über finstere Auftragswerke in Sachen Antifeminismus oder ähnliches recht absurd. Denn wer macht sich bei einem solchen Auftragswerk die Mühe, über Ausflüge ans Meer oder eben Hochbunker zu schreiben? Eine solche Legende zu konstruieren, das wäre nun wirklich so teuer, dass es jeden Rahmen sprengen würde. Die Mühe würde sich wohl auch nicht ein John le Carré – Fan über so lange Zeit machen.

War, wie Nutellaberliner fragt, ein Pranger beabsichtigt? Klar. Was denn sonst, wenn man in einen Vortrag über Hatespeech Screenshots von Tweets einbaut, die diese Hatespeech belegen sollen. War damit beabsichtigt, einzelne Personen an den Pranger zu stellen? Hm. Da wäre danach zu fragen, inwieweit die Nicks der Screenshots im Bewusstsein überhaupt mit real existierenden Personen verbunden wurden. Das zu diskutieren wäre aber ein eigenes Kapitel, wie auch manches andere, was ich hier weglasse.  Ich gehe eher von einem Parzival-Syndrom aus: unschuldig schuldig, der reine Tor. Vergessen wir dabei nicht, nicht nur Domino, auch die Akteure auf der Gegenseite sind überwiegend recht jung, unerfahren und – unbedacht. Wozu erfahrungsgemäß gehört, dass sie ihre eigenen Kompetenzen gewaltig überschätzen. Kein Drama, sondern eher normal.

Daraus zu schließen, die Prangerwirkung hätte früher einsetzen müssen – non sequitur. Es hätten sich nämlich ohne Gate nie und nimmer weit über 1.000 Leute das Video von Faserpiratins (mit Klarnamen Jasna Strick)  Vortrag angesehen, geschweige denn, das Streaming verfolgt. Man überschätze bitte nicht das Interesse an der Open Mind Kon. So vielversprechend waren die Ankündigungen nicht, dass man sich deswegen vor den Monitor setzt. Wann setzte also das Interesse für das Video ein? Als Domino um Verpixelung ihres Bildes nachsuchte? Teils. So richtig einsetzen tat es erst – als dieser Wunsch abgelehnt wurde. Da erst setzte die Neugier ein: boah, was war denn da los? Es ist also völlig normal und nachvollziehbar, dass das Gate erst zwei Tage nach dem Vortrag einsetzte und alles andere basiert auf eher irrealen Spekulationen. Denn dass eine Gruppe von Radikalfeministinnen mit Faserpiratins Vortrag planvoll und mit voller Absicht einige Twitterer habe fertig machen wollen – na ja, ich hab diesen Vorwurf zumindest nicht bemerkt. Für mich klingt das eher nach Strohmann-Argument.

Wenn ein geplanter Shitstorm nicht unterstellt wird, der vielmehr erst mit dem Abschlagen des Wunsches nach Verpixelung des Avatars einsetzt, dann lässt sich natürlich auch vorher nichts auf Twitter finden. Tatsächlich entwickelte die Sache unkontrolliert eine Eigendynamik – und genau das könnte zu diesem überraschend heftigen und dauerhaften Gate geführt haben: diese Eigendynamik folgt nämlich einem Muster, sie ist vielen nur allzu gut bekannt. Womit das Gate nicht für sich allein steht, sondern symbolisch für viele andere größere und kleinere Gates.

So gesehen ist Dominos Blogpost einen Tag nach Veröffentlichung des Videos keineswegs ungewöhnlich. Sie reagierte panikartig – nämlich darauf, dass ihre Bitte geradezu triumphierend abgeschlagen wurde. Und jetzt machen wir uns bitte mal klar: wir haben hier eine Neunzehnjährige vor uns. Ich möchte hier nicht irgend welche Spekulationen auslösen. Aber: wir wissen nicht, was sie in diese Panik getrieben hat. Denn genau das wird sie gewiss nicht sagen. Muss sie auch nicht; niemand muss sich öffentlich entblößen. Viel wird darüber geredet, dass ein polnisches Model nicht des Vaters Tochter sein könne, dass der vielmehr boshafterweise sich eine Tochter mehr oder minder erfunden habe. Denkt auch jemand an eine andere Möglichkeit, die erheblich plausibler ist, nämlich, dass vielleicht auch eine Neunzehnjährige sich stellenweise mal was ‘zusammenklauen’ könnte? Und dass es tatsächlich zu Heulen und Zähneklappern bei ihr führen kann, wenn sie sich nun auf Twitter quasi nackt ausziehen soll?

Also: hier einen wahrscheinlich sehr berechtigten Wunsch rigoros und triumphierend abzuschlagen, das war nicht nur ausgesprochen dumm, das war auch, Kameraden, ziemlich unmenschlich. Da wurde tatsächlich gemobbt. Nämlich eine frauenverachtende Hasserin, ein Pin Up Girl, ein Monstrum, das nun nicht für seine bösen Tweets bezahlen will. Doch das Mobbing traf kein Monstrum. Es traf eine Neunzehnjährige, deren einziges ‘Verbrechen’ darin bestand, den Genderismus saudoof zu finden – eine Auffassung, die sie möglicherweise mit der Mehrheit unserer Bevölkerung teilt – und die aus Gründen geradezu kniefällig flehte, doch bitte ihren Avatar zu verpixeln – Antwort: N E I N !

Liebe Leute – und lieber Nutellaberliner – ihr Umgang mit dem Gate war haargenau so, wie eine Neunzehnjährige mit so was umgeht: nicht besonders geschickt. Tatsächlich fütterte sie die Trolle dick  und fett. Und so habe ich ihr dringend geraten, sich an einen Anwalt zu wenden, oder, besser noch, an den Papa. Was sie zum Glück alsbald auch tat. Sie hat nämlich das Glück, einen Papa zu haben, der sie laufen lässt, wie sie laufen will, sich aber im Zweifel vor sie stellt – wenn sie sich irgend wohin verlaufen hat. Dass so ein Mädchen sich ausgerechnet in der Piratenpartei verlaufen muss ist, mit Verlaub, ein Schandfleck für die Partei. Da hat der Papa vollkommen Recht. Wo so etwas passiert, fehlt der menschliche Verstand, der immer auch das Allzu-Menschliche versteht und entsprechend großzügig ist. Und bei dem, wie bei Benjamin Siggel, auch die Warnlampen aufleuchten: pass Achtung, wenn Eltern sich zähnefletschend vor ihr Junges stellen. Der Weise zieht sich dann zurück, denn er geht davon aus, dass machen Eltern nicht für nix.

Statt dessen aber kommt es zu weiteren Ungeheuerlichkeiten: es wird nachgeforscht, als habe man einen Verbrecher vor sich, den es zur Strecke zu bringen gelte. Dafür gibt es nicht die Entschuldigung, Gelegenheit mache eben Diebe und Name, Adresse und sonstiges seien doch eigentlich leicht zu finden gewesen. Das mag sein. Doch es besteht ein gravierender Unterschied, ob einer sich selbst so etwas zusammen sucht, oder ob er das, auch noch mit entsprechenden anzüglichen Fragen und Kommentaren, öffentlich ins Netz stellt. Das tat nicht nur Malte Welding, das tat auch Elke Wittich aka Elquee, die den Link zu Dominikas Webseite samt Adresse, Emails und Telefonnummern teilte, mit dem scheinheiligen Hinweis, aber nicht weiter verbreiten. Interessiert nicht. Sie hat’s verbreitet. Mit den bekannten hässlichen Folgen: die durchaus bekannten üblichen Verdächtigen aus der Piratenpartei stiegen mit Lust und Freude auch noch darauf ein.

So etwas tut man nicht. Das ist eine Missachtung der Persönlichkeitsrechte und auch der Würde und Ehre einer Person. Es ist dabei völlig gleichgültig, ob dies justiziabel ist oder nicht; so etwas stinkt. Es stinkt bestialisch. Und die Folgen sind klar zu erkennen: Piraten wie Nichtpiraten wenden sich angewidert ab. Mit so etwas wollen seriöse Leute nämlich nichts zu tun haben, nicht damit in Zusammenhang gebracht werden, das ist widerlich. Und fällt auf ihren eigenen Ruf zurück, wenn sie sich damit gemein machen.

Problem: es gibt leider zu viele, denen offenbar nicht bekannt ist, dass man so etwas wie einen Ruf überhaupt haben könne. Denen ist natürlich auch nicht klar zu machen, was denn Rufmord sein könne.

Und damit hätten wir das Gate der Piratenpartei. Ein Gate, das zahllose Mitglieder immer weiter in seinen Strudel zog. Es ist längst kein Domino-Gate mehr und es ist auch kein Faserpiratin-Gate; die war nämlich gut beraten, ihre Finger nicht auch noch hinein zu stecken. Da es aber ein Gate der Piratenpartei ist – nicht der Partei als gesamter Verband, wohl aber eines, das nach alt bekannten Mustern und Strukturen unter Mitgliedern und Sympathisanten läuft, cum grano salis, einfach machen – wäre die Partei gut beraten, wenn Mitglieder nicht stirnerunzelnd weiter dieser Familie nachspüren würden, in der Hoffnung, irgend ein bisschen Dreck aufspüren zu können, auf das sich mit dem Finger weisen ließe, um sich selbst vom eigenen Verhalten zu entschuldigen. Da gibt es keine Entschuldigung. Da gibt es nur: Aufwasch, aufarbeiten, was hier schief läuft, katastrophal und bedrohlich schief.

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Nachtrag:

Es ging niemals um Hatespeech. Es ging immer nur um den Schutz der Identität eines Teenagers, der sich hier und da was zusammen geklaut hatte. Urheberrechtlich geschützte Werke aus Papas Firmendatei, die man nicht hätte verwenden und als seine eigenen ausgeben dürfen. Wer will darüber richten? Es ist menschlich-allzu-menschlich und wird von vielen in ihrem Alter getan.

So hatte sie auch das Foto des ‘polnischen Models’ in ihrem Avatar als Foto von sich selbst ausgegeben, was deswegen für sie nicht so dramatisch war, weil die Dame Geschäftspartnerin ihres Vaters war. Allerdings – dies nun im Internet verbreitet zu sehen, womit dann die Tweets und teilweise geklauten Stories und Fotos einer Neunzehnjährigen dieser Geschäftsfrau untergeschoben werden, das geht natürlich gar nicht.

Papa hatte sich mit einem Piratenfunktionär getroffen, was dieser auch bestätigt hatte; der schwieg jedoch nach erstem Protest über die Legendenbildung, nachdem als ‘offizielle Lesart’ anscheinend heraus gegeben wurde, Papa habe Domino erfunden; wogegen Papa keine großen Einwände hatte, denn sein Interesse war, 1. seine Tochter und 2. seine Firma zu schützen. Letzteres war nicht möglich, denn aufgrund der Nachforschungen, Veröffentlichungen, Stalking der Mitarbeiter per Emails und Telefon und drohender Involvierung der Geschäftspartner kündigten die Mitarbeiter und er schloss die Firma.

Da der Schaden sich im fünfstelligen Bereich bewegte, wollte Papa natürlich mit seinen Anwälten dagegen vorgehen. Was daraus geworden ist, weiß ich nicht, geht mich m.E. auch nichts an. Bestätigt hat einer der freilich mittellosen und deswegen wohl kaum verklagten Hauptakteure, dass er eine Unterlassungserklärung unterzeichnete.

Das letzte, was ich über Domino hörte war, dass sie sich völlig vom Internet abgewandt hatte und panikartig nach Frankreich ging, wo sie lernen und dann einen Buchladen aufmachen wollte.

Und noch ein Nachtrag:

Mit ziemlicher Erschütterung stelle ich fest, dass die alte verlogene Geschichte immer noch die Runde macht, nämlich in der Hate-Speech-Broschüre der Amadeu-Antonio-Stiftung; Kapitel: Wie lebt es sich mit einem Shitstorm? Interview von Julia Schramm mit Jasna Strick aka Faserpiratin.

Ich will Jasna Strick noch nicht einmal unterstellen, dass sie hier bewusst etwas zusammen lügt. Als Ursache vermute ich eher höchst einseitige Informationen, gepaart mit Eitelkeit. Denn natürlich kann man sich prominenter fühlen, wenn man wegen seines Vortrages angegriffen wird – und nicht wegen der Nicht-Verpixelung eines Avatar-Bildes.

Aber man sperrt gerne die Ohren nur bei dem weit auf, was man hören möchte.

Es wäre nett, wenn wenigstens ab und an jemand zur Kenntnis nähme, dass hier das tatsächliche Opfer des Shitstorms jemand ganz anderes war.

10.08.2016

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