Der Gaza-Krieg 2014

Mittwoch, 06. August

Dies ist eine sehr persönliche Nachlese.
Von mir aus nennt es Mimimi, aber vor Ekel und Abscheu sträubt sich wirklich alles in mir.
Ich habe nichts gegen einen kräftigen Streit. Aber hier sind für mich Grenzen überschritten, Grenzen der Kultur, der Zivilisation, der Humanität.
Dies ist nur ein kleines Beispiel, wie es ganz alltäglich aussieht.
Ich kann Euch versichern, die Araber und insbesondere die Palästinenser haben tagtäglich mit solchen Scheußlichkeiten zu tun.

Nach fast 1.900 Toten, zerfetzten Kindern, ca. 9.000 großenteils Schwerverletzten, von denen nicht wenige ein Leben lang an den Folgen tragen werden, einem zerstörten Landstrich mit hunderttausenden Obdachlosen ist die Bevölkerung von Gaza immer noch voller Sorgen darüber, ob denn der Waffenstillstand hält oder ob Israel wieder ein Grund einfällt, Gaza noch weiter zu zerstören und noch mehr Menschen in den Tod zu reißen.

Vor diesem Hintergrund posteten israelische Zionisten – jedenfalls sagten sie von sich selbst, dass sie Israeli in Israel sind – nicht zum ersten Mal folgenden Kommentar zum Waffenstillstand:
'Jungfrauen'Übersetzt: “Die Hamas kündigte einen Waffenstillstand an, nachdem eine der Jungfrauen ein Selfie sandte”.
Wohlgemerkt: dies nach einem möglicherweise von den USA mit mehr oder minder sanfter Gewalt Israel abgerungenen Waffenstillstand nach einem solch maßlosen und mörderischen Zerstörungswerk, das internationale Organisationen, auch die UN und Kriegsberichterstatter, die wahrhaftig schon vieles gesehen haben, verstörte und sie manchmal sogar fassungslos zurück ließ.

Meine Antwort – an den palästinensischen Threadstarter wohlgemerkt, den diese Person mit diesem Bild ‘beehrt’ hatte –

“Exact picture of the zionists uglyness from inside – genaues Bild der inneren zionistischen Hässlichkeit.”

Und das ist meine wahre Empfindung, für mich ist es ein Abbild dieser Hässlichkeit.

Daraufhin legten sie los (meine Antwort: blocken, denn anderes ist da nicht mehr möglich):

“So’n Ding wie Palästina gibt’s nicht, du Penner!”

“Judenhasser bringen mich zum kotzen, diese dumme Ärsche!”

“Juden hassende Punk-Hündin”

“Der Islam ist die Religion des Hasses, des Todes, des Rassismus, der Pädophilie. Mir fällt nichts Positives über den Islam ein.” (Man kann wohl annehmen, dass sie mich für einen Araber, Palästinenser vielleicht hielten)

“Die sind alle dumme Arschstücke von Hundescheiße!”

Nein, ich habe von Seiten der Palästinenser zwar auch jede Menge saftige Flüche, aber noch nie solche vulgären Abscheulichkeiten gelesen. Und ich habe auch noch nie gelesen, dass Araber in so widerwärtiger Weise das Judentum beleidigt hätten, wie diese Zionisten den Islam. Entsprechend lautete die Antwort des Arabers:

“Ihr seid hässlich von außen und von innen und das kann man mit noch so viel Makeup nicht reparieren.”

Wie gesagt. Insbesondere diejenigen, die sie für Araber halten unter den Pro-Palästinensern, haben mit solchen abstoßenden Anwürfen tagtäglioh zu tun. Sie wehren sich mit der Aktion #IronThumb, eiserner Daumen: solche Leute werden geblockt und ihr Nick unter diesem Hashtag genannt, damit andere Bescheid wissen.

Ich denke, dieses  Beispiel aus dem prallen Leben verdeutlicht besser als manch anderes, dass zwischen Juden und Zionisten wirklich ein himmelweiter Unterschied besteht. Das wird jeder bestätigen, der nette, kultivierte, gebildete Juden kennt, denen es nie und nimmer einfallen würde, einen Menschen mit solchen Worten zu bedenken. Es wäre eine Beleidigung, sie mit diesem Gesocks gleich setzen zu wollen.

Dies ist das reale, hässliche Gesicht des Rechtsradikalismus. So sieht er im praktischen Leben aus.
Es gibt Leute, die sind deren Fans, finden das toll und machen es nach.

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Dienstag, 05. August

Rätseln über Israels Kriegsziele

Waffenstillstand.
Ob und inwieweit er hält, weiß man nicht.  Es sieht eher danach aus, dass Israel den Rückzug seiner Bodentruppen als “humanitären Waffenstillstand” verkauft hat.

Army TweetsInzwischen kommt die Frage nach Israels Kriegszielen auf. Die nämlich sind keineswegs die ursprünglich verkündeten gewesen.
Der NBC-Kriegsberichterstatter Ayman Mohyeldin hat dazu einen kurzen  Videofilm von AJ Plus empfohlen.
Die Journalistin Dana Takruri hat darin Tweets der israelischen Armee analysiertmit der Frage, was die denn tatsächlich zu erreichen trachte. Zuerst ging es um die drei gekidnappten und ermordeten Jugendlichen, von denen auch Netanyahu im Brustton der Überzeugung verkündete, die Tat sei von der Hamas begangen worden, die deswegen folglich zu bekämpfen, also durch Töten zu dezimieren sei. “Ohne jeden Zweifel”. Was sich freilich als falsch erwies. Denn nach den Ermittlungen der eigenen Polizei war die Tat von einer isolierten Gruppe begangen worden, die nicht unter Hamas-Kommando stand, kurz, ein ganz normales Verbrechen. Jedoch war dies der Anlass für die Operation Protective Edge, die Luftangriffe.

Abgelöst wurde diese Erzählung von den Raketenangriffe, die kein Land der Erde ertragen müsse. Nun wird die durch diese Angriffe bestehende Gefahr freilich erheblich übertrieben; drei Tote hat Israel dadurch zu beklagen, obgleich über 2.000 Raketen abgefeuert worden sein sollen, deren Ergebnis drei tote Zivilisten waren. Dies liegt zum einen am mit US-Hilfe errichteten Abwehrsystem Iron Dome (die jüngsten Waffenlieferungen der USA aus dem Depot in Israel sind auch genau für diesen gedacht), der so gut wie alles abgefangen hat, was auch gut so ist, also prächtig funktioniert, zum anderen daran, dass nicht alle, aber doch der Großteil der von Gaza aus abgefeuerten Raketen eigentlich bessere Feuerwerkskörper sind. Jedenfalls gibt es genügend Bilder, wonach sie nicht viel mehr als Kratzer im Asphalt verursachen. Wohingegen alle erschüttert sind über die maßlosen Zerstörungen, die die israelischen Raketen in Gaza angerichtet haben, Zerstörung, die gewiss in keinem Verhältnis  zu den Schäden steht, die umgekehrt in Israel angerichtet wurden.
Takruri fragt, inwieweit denn die Zerstörung von Schulen, die Flüchtlinge beherbergen, von Gas- und Wasserwerken, also der zivilen Infrastruktur, zur Selbstverteidigung gerechnet werden können, zumal lt. UNO 70 % der Toten eben keine Kämpfer, sondern Zivilisten seien. Das Gesundheitsministerium von Gaza hat nun eine Liste mit Namen und Alter von über 1.400 bereits identifizierten Todesopfern heraus gegeben, auf der sich u.a. zahlreiche Kleinkinder bis zu 4 Jahren, aber auch Senioren ab 60 finden, die kaum mit dem Gewehr im Anschlag über’s Geröll laufen dürften. Sie stellt fest, dass die rechtfertigende Erzählung sich nun erneut wandelte, nämlich auf die Tunnel, Rechtfertigung für die Bodenoffensive, die den Verlautbarungen nach keineswegs von vorn herein fest stand. Gaza behauptet, die Tunnel dienten in erster Linie der Versorgung (allerdings sind Tunnel bereits aus dem Vietnamkrieg bekannt; der Vietcong, bei dem auch die Palästinenser in die Lehre gingen, hatte ein weit  verzweigtes Tunnelsystem, das die USA nicht zu knacken im Stande waren). Jedenfalls erklärte Israel, es würde nicht eher abziehen, bis es alle Tunnel zerstört hätte (angesichts der bisherigen Erfahrungen regulären Militärs mit der Installation und Nutzung von Tunnelsystemen durch Guerilla darf imho daran gezweifelt werden).

Takruri schließt daraus, dass Israel einen Krieg provoziert hat ohne klare Kriegsziele und stellt die Frage, was sind bzw. waren seine eigentlichen Kriegsziele? Diente dieser Krieg lediglich der Aufrechterhaltung des status quo? Oder welches Ziel mag er gehabt haben? Sie meint, da bestünde noch Erklärungsbedarf.

Inzwischen macht sich übrigens auch der Spiegel an das Thema.

 

 

Montag, 04. August

Gaza, Israel, Piratenpartei und das Internet

Ob es der Piratenpartei Deutschland hilft, sich ihrer zionistischen Umklammerung (und damit  verbunden Isolation)  bewusst zu werden, wenn ihre Heiligen und ihre Prominenz im Gaza-Krieg Partei für die Palästinenser ergreifen?
Glenn Greenwald, der dies lange schon tut –  und nichts deutet darauf hin, dass er damit die Hamas meint, die Israel so gern mit den Palästinensern gleich setzt – hat heute auf auch seiner Webseite “The Intercept” einen mit Dokumenten angereicherten Bericht über NSA und Israel und die danach durchaus ambivalente Beziehung zu den USA veröffentlicht, die natürlich auf den Snowden-Dokumenten basiert.
0408.1Wikileaks weist speziell auf ein Kabel hin, wonach “Israelische Offizielle den Botschaftsangehörigen mehrfach bestätigt haben, dass sie die Absicht haben, die Wirtschaft in Gaza auf der unterst möglichen Ebene funktionieren zu lassen, gerade so, dass eine humanitäre Krise vermieden wird.

Doch es kommt noch dicker für die zionistischen Eroberer: auch die isländische Piratenmandatsträgerin Birgitta Jónsdóttir macht darauf aufmerksam, dass Israel offenbar um die “ethnische Säuberung” Gazas bemüht ist.

JDL

Jewish Defense League (JDL) bei der Arbeit

Wieder ist zu erkennen, dass der Kampf um die Hoheit im Internet längst schon tobt, in den auch die Piratenpartei Deutschland einbezogen ist. Entsprechend Netanyahus offener ‘Kriegserklärung’, hier wieder gegeben in einem Artikel der Jerusalem Post vom 27.01.2014 unter seinem Spruch “lasst uns das Internet von einem Fluch zu einem Segen umwandeln”. Wie er die Sache sieht, sagt Netanyahu darin ganz klar: “Es sollte eine Art UN für das Internet geben. Eine Koalition der führenden Unternehmen in der Cyber-Welt und meiner Meinung nach ist Israel das am weitesten fortgeschrittene. Und dann am Ende: “Wenn Sie Cyber denken, denken Sie Israel.” Jo, so hätten sie’s gern. Und nur Naive glauben, dass es entsprechende Bemühungen in Deutschland nicht gibt. Immerhin gehört es zu den wichtigsten Staaten der Welt. An ihm klammert Israel mit Zähnen und Klauen und beständigem lautstarken Antisemitimus-Getöse. Es macht auch nicht so viel Mühe, denn auch außerhalb der etwas, ich sag mal, seltsamen Antideutschen-Szene gibt es, bis hin zur Jewish Defense League, genügend fanatische Zionisten, die liebend gern Dienste für Volk und Vaterland leisten. Und auch die mediale Unterstützung gibt’s quasi für lau, nicht nur durch Jungle World, Ruhrbarone und Jüdische Allgemeine oder auch der Welt, die ja bis zum Absturz der Piratenpartei im Herbst 2012 gerne mal den einschlägig bekannten Broder zu ihr schickte

Die Bedeutung des Internets für die Politik, gerade auch für die in der Piratenpartei (mit Absicht?) beständig bis zum Nichtvorhandensein schwer vernachlässigte Außenpolitik, wird zumindest von den deutschen Nerds schwer unterschätzt. Das sieht im Ausland anders aus. Da wird schon lange über die – auch bezahlte – Propaganda interessierter Staaten im Netz berichtet, sehr stark auch bei den sozialen Medien. Längst gilt es als ausgemacht, dass Israel diesen Medienkrieg verloren hat, und zwar so verloren, dass diverse Rettungsbemühungen schon kurios wirken, wie, dass die Hamas die israelischen Soldaten (quasi mit vorgehaltener Pistole?) dazu zwinge, UN-Schulen, Krankenhäuser, Moscheen, Kirchen und sogar Friedhöfe zu bombardieren; vielleicht fürchten sie die palästinensischen Zombies.

Wer immer noch an der Bedeutung des Internets in der Internationalen Politik zweifelt, obgleich es nachgewiesenermaßen Kriege beeinflussen und Regierungen stürzen kann, der mag sich diesen recht langen Artikel des alten Kriegsberichtserstatters Robin Wright im New Yorker zu Gemüte führen. Wright berichtet hier über seine persönlichen Erfahrungen im Krieg Israels gegen die PLO im Libanon von 1982, in dem es im Prinzip nicht viel anders zuging, als jetzt in Gaza (und dessen Ergebnis im Übrigen die Gründung der Hizbollah war). Wer dies mit heute vergleicht, wird den Unterschied unschwer feststellen: 1982 gab es noch kein Internet.

 

Sonntag, 03. August

Lt. Gesundheitsministerium ist der Todeszoll nunmehr bei 1.745 angekommen. Die IDF posaunt viel herum von Rückzug, mordet aber weiter Gazas Zivilisten. Es ist eben im Zweifel alles nur Hasbara.

WashingtonAuch an diesem Wochenende gab es wieder weltweit teilweise riesige Demonstrationen mit tausenden von Teilnehmern, die wohl größte gestern in Washington. Dass Deutschland mit seinen paar hundert Männekens, die damit auch noch riskieren, als Antisemiten diffamiert zu werden, wenn sie das rufen, was man problemlos überall in der Welt ruft, fast nie Erwähnung findet zeigt, dass wir hier schon einen Sonderfall haben; dass wir damit allerdings auch riskieren, uns in unheiliger Tradition mal wieder von der Welt und ihrer Meinung abzukoppeln und unsere isolierten abseitigen Wege zu gehen.

Israel hat den gefangen genommenen Soldaten Goldin für tot erklärt. Er sei bei einem israelischen Luftangriff ums Leben gekommen. Man habe genügend Überreste von ihm gefunden, die eine Beerdigung ermöglichen würden.
Twitterer berichteten, gestern Nacht habe man in Israel über die Hannibal-Direktive (English) diskutiert. Danach soll es keine Gefangenen geben – nur dass es die eigene Seite ist, die die Kriegsgefangenen umbringt; kaum jemand bezweifelt und es wird meines Wissens auch nicht dementiert, dass das intensive Bombardements Rafahs, dem dann auch schon Freitag Goldin zum Opfer fiel, wahrscheinlich auch der Bruch des Waffenstillstands, dieser Hannibal-Direktive folgte.
Es war ja ursprünglich eine Garantie für israelische Soldaten, dass Israel alles mögliche tun würde, um sie im Falle der Gefangenschaft zurück zu holen, was auch für ihre Leichen gelte. Offenbar ist diese Direktive in der Praxis so eingeschränkt worden, dass sie nur noch für Leichen gilt.

Zu dokumentieren ist ein neues Kriegsverbrechen. Diesmal mit einem Video, dass die IDF-Soldaten selber angefertigt haben, Titel: israelische Streitkräfte bringen eine Moschee mit 11 t Sprengstoff zur Detonation. Electronic intifada hat den Text ins Englische übersetzt. Danach wurde die Zerstörung der Moschee am 30.07.2014 drei gefallenen Soldaten der eigenen Brigade gewidmet und entsprechend bejubelt, wie auf dem Video zu hören, das mit dem Ruf “lang lebe Israel” endet. Es handelt sich also um einen reinen Racheakt. Nichts deutet darauf hin, dass es für die Sprengung eine militärische Notwendigkeit gab. Das aber ist Zerstörung der Infrastruktur um der bewussten Schädigung der Zivilbevökerung willen und nach Kriegsrecht nicht erlaubt.
SieversRobert Fisk behält mal wieder Recht, der meinte, er habe schon vor Jahren fest gestellt, dass die IDF genau so ein “undisziplinierter Haufen von Armee” sei, wie die arabischen. Und das wird eines der dauerhaften Ergebnisse dieses Krieges sein: die sorgfältig gepflegte Legende von der “moralischsten Armee” liegt unrettbar in Trü mmern.

Furore machte dieser Artikel auf Israel Times, der deswegen alsbald entfernt wurde. Überschrift: wann Völkermord gerechtfertigt ist.
Es blieb nicht dabei.
Stehen blieb dieser Artikel der Jerusalem Post. Hier plädiert Martin Sherman, Direktor des israelischen Instituts für strategische Studien, dafür, Gaza zu demontieren und die “nicht-kriegerische” Bevölkerung umzusiedeln.

Donnerstag, 31. Juli

Wenn Journalisten um Hilfe rufen

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… dann sollte man sorgfältig zuhören. So oft tun diese abgebrühten Kriegsberichterstatter das nämlich nicht. Und wenn sie es tun, dann haben sie dafür weiß Gott genügend Grund.

Ein kleines Video (hier in einem Artikel der Washington Post) verbreitete sich gestern rasend schnell durch’s Netz. Es war der Ausschnitt eines Interviews von el-Jazeera mit Chris Gunness, Sprecher der  United Nations Relief and Works Agency UNRWA, der Zeuge des israelischen Angriffs auf die UN-Schule war, die ca. 3.000 Menschen Schutz vor eben solchen Angriffen bieten sollte und bei dem mindestens 20 Menschen um’s Leben kamen. “Die UNRWA in Gaza kann nicht mehr, wir haben die Bruchstelle erreicht, unsere Mitarbeiter werden getötet, unsere Schutzräume sind überfüllt. Wo soll das enden?” twitterte er. In 86 Gebäuden der UNO hätten nunmehr  219. 657 Menschen Zuflucht gefunden; mehr ginge nicht. Im Interview brach er schließlich in haltloses Schluchzen aus.

Klartext redete Todenhöfer gestern Abend in Anne Wills Talkshow: “Israel hat das Recht, sich gegen die Raketen der Hamas zu verteidigen. Israel hat nicht das Recht, sich in einer Bombardierungsorgie zu verteidigen. Und das was ich gesehen habe, war eine Bombardierungsorgie. Es war so unverhältnismäßig, dass ich sage: Es war ein Kriegsverbrechen“.

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Der Guardian vom 31.07.2014

Sami Abdel Shafi, der für den Guardian in Gaza berichtet, denn Israel hat oft genug darauf hin gewiesen – und das auch unter Beweis gestellt – dass es nicht gewillt ist, auch ausländische Journalisten zu schützen (so hat es auch den Medienturm bombardiert), so dass nur noch wenige dort aushalten, schreibt heute, “Der Gaza-Streifen ist nun unbewohnbar. Aus Gründen der Menschlichkeit muss die internationale Gemeinschaft Israel nötigen, diese Katastrophe zu beenden.” Und nicht nur das: schwere Anschuldigungen erhob der Guardian auch in seiner heutigen Print-Ausgabe.

Martin Lejeune, ein freier Journalist, der u.a. für ARD, DLF und taz berichtet, zog mit einem “Notruf aus dem Gazastreifen” (here in English) nach: “Der Krieg in Gaza ist ein Krieg gegen Zivilisten. Das sage nicht nur ich, sondern auch die Menschen in Gaza und die Journalisten, mit denen ich spreche, von denen einige so ziemlich sämtliche Kriege der letzten zehn Jahre abgedeckt haben (Afghanistan, Irak, Libyen, Syrien, etc…). Was hier passiert, hat eine besondere Qualität.” Lejeune bestreitet schlichtweg die Behauptungen der IDF von wegen Tunnel, Raketenlager und Abschussbasen als Grund für die Angriffe auf Zivilisten. Er bestreitet auch die Behauptungen hinsichtlich menschliche Schutzschilde und meint, bei dem Chaos und der Menge Menschen sei es gar nicht möglich, sie zu etwas zu zwingen. Das leuchtet ein. Zwar mag es in Einzelfällen durchaus vorkommen, doch inwieweit es möglich sein soll, die Menschen auf Markt- und Spielplätzen und in UNO-Schulen zwangsweise als menschliche Schutzschilde zu missbrauchen, das erscheint doch äußerst unwahrscheinlich.
Es gibt kein Wasser, keinen Strom, kein Brot und auch kein Geld, weil die Banken lange schon geschlossen haben. So sie nicht in Schulen unter gekommen ist, drängt sich die Bevölkerung in den noch stehenden Häusern, die Frauen und Kinder in den Zimmern, die Männer in den Fluren und an Schlaf ist nicht zu denken, da vor allem in der Nacht bombardiert wird. Lejeune nennt das, was in Gaza geschieht, Kriegsverbrechen.

Und schließlich noch Sara Hussein für AFP , auch sie eine erfahrene Kriegsberichterstatterin, die bekundet, so etwas, einen regelrechten Krieg gegen die 310714.2Zivilbevölkerung, noch nicht erlebt zu haben. Sie widmet sich den Kindern von Gaza, die durch Angriffe der Israelis  getötet werden, während sie z.B. arglos auf einem Hausdach spielen.

All diese Journalisten können nicht verstehen, warum der Westen nicht mit aller Härte durchgreift und beide Parteien zur Einstellung der Kämpfe zwingt.

Ja, zahlreiche Medien, ob im Ausland oder in Deutschland, schreiben, dass Israel den Medienkrieg im Zeitalter des Internets bereits verloren hat. Gut, das wird für die Zukunft ganz erhebliche Auswirkungen haben, die mit der Ächtung des Vietnam-Krieges, des griechischen Obristenregimes, Francos Spanien und Südafrikas durchaus vergleichbar sein werden und in all diesen Fällen mussten die Verantwortlichen am Ende klein beigeben. Nur, so lange will keiner warten. Jedes Leben ist kostbar und jede Stunde kostet Menschenleben, das von Zivilisten. Der Krieg muss aufhören, sofort.

Rechts Foto des schwedischen Journalisten Sommarstrom, der zu denen gehört, die dennoch in Gaza ausharren. Es zeigt einen palästinensischen Jungen, der nicht Soldat, sondern Journalist spielte. Die schusssischere Weste bastelte er sich aus Mülltüten, den Helm musste Sommarstrom ihm leihen.

 

Dienstag, 29. Juli

Stimmungsaufheller Kriegsverbrechen

Kriegsfoto Chris Hendros

Berühmtes Foto über den Krieg von Chris Hendros, der selbst 2011 bei einem Angriff von Gaddafis Truppen an der ostlibyschen Front ums Leben kam

“Breaking the Silence” ist eine anerkannte israelische NGO,eine, wie Goldberg schrieb, “linksgerichtete Soldaten-Protest-Organisation. ” Sie besteht aus ehemaligen Soldaten der IDF, die nach ihrer Dienstzeit größtenteils anonym so gewisse Erlebnisse und auch Anweisungen offenbaren, die durchaus nicht dem Anspruch der “moralisten Armee der Welt” entsprachen. Wegen der Anonymität gibt es natürlich jede Menge Kritik. Allerdings kann man Dokumentiertes leaken, auch ohne dabei seinen Namen Preis zu geben. Immerhin kann diese Organisation auf eine stolze Unterstützer- und Spendenliste verweisen, darunter mehrere EU-Staaten, wie auch die EU selbst.

Unter dem Namen Celine Hagbard, also ein offenkundiges Pseudonym, wurde nun dieser Artikel veröffentlicht, über dessen Plausibilität natürlich jeder selbst urteilen muss. Er beruft sich auf einen Bericht von Eran Efrati. Der immerhin ist bekannt und wurde 2009 von der BBC interviewt.

Danach habe ein Mitglied der Gruppe “Breaking the Silence” Accounts von israelischen Soldaten geleaked, die von ihren Kommandeuren ermächtigt wurden, Racheangriffe gegen Zivilisten im Gazastreifen auszuüben, “um den Soldaten zu ermöglichen, ihre Frustration und ihren Schmerz über den Verlust ihrer Kameraden heraus zu lassen”. Er  berichtet, Soldaten in zwei verschiedenen Einheiten in Gaza hätten Informationen über die Ermordung von Palästinensern durch Scharfschützen geleaked, als Bestrafung für den Tod von Soldaten ihrer Einheit.  Das Massaker von Shejaiya sei nach dem Tod von sieben Soldaten der Elite-Einheit Golani-Brigade erfolgt (das führt heute natürlich zu dem Verdacht, dass auch der Angriff auf den Spielplatz  vom gestrigen Tag mit 10 Toten, darunter 8 Kinder, ein solcher Racheakt war, denn am selben Tag waren 10 israelische Soldaten gefallen. Die IDF behauptet zwar, es habe sich um einen Irrläufer einer Fajr 100 der Hamas gehandelt, konnte dafür jedoch meines Wissens keine schlüssigen, widerspruchsfreien Beweise liefern; die konnten allerdings die Anwesenden auch nicht liefern, die behaupteten, es habe sich um den Angriff einer israelischen Drohne gehandelt, so dass die Angelegenheit offen bleiben muss.).

UnbenanntSchwer wiegt der Verweis auf diesen Film von el-Jazeera über das Massaker von Shejaiya. Dort ist ab ca. 11:30 Minuten ein Ereignis zu sehen, dessen Zeuge das Kamerateam zufällig wurde, wo ein Zivilist, der in den Trümmern nach seiner Familie suchte, von israelischen Scharfschützen mit drei Schüssen erschossen wurde. Es wäre lächerlich, dies unter all den Zeugen der Hamas in die Schuhe schieben zu wollen. Es gab hierzu auch keine offizielle Stellungnahme der IDF, doch Efrati brachte in Erfahrung, dass die Soldaten dort den offiziellen Auftrag hatten, Gebäude zu besetzen, von wo aus sie imaginäre rote Linien zogen und unter sich beschlossen, jeden zu töten, der sie überschritte. Er sollte als Bedrohung und damit legitimes Ziel eingeschätzt werden.
Der inoffizielle Grund war aber eben die Rache an palästinensischen Zivilisten zwecks Abbau von Frustration und Schmerz – und das erscheint plausibel, denn welche Bedrohung sollte von diesem Mann im dünnen grünen T-Shirt ausgehen können?

Richard Silverstein nennt das ein “halb-offiziell genehmigtes Massaker nach dem Typ My-Lai.

Der Artikel weist darauf hin, dass dieser Bericht heute morgen kam, mitten in einem weiteren schweren Bombenangriff, nämlich dem auf den Stadtteil Beit Hanoun, nachdem die IDF zugab, die dortige UN-Schule getroffen zu haben, ebenso verweist er auf einen in der israelischen Zeitung Yedioth Ahronoth am 18. Juli, dem Beginn der Bodenoffensive, erschienenen Artikel, wonach die Panzerverbände den Befehl erhalten hatten, auf alles zu schießen, was sich bewegt, also auch ohne Rücksicht auf Zivilisten, die sie nach Kriegsrecht zu nehmen haben.

Wen das Thema noch mehr interessiert: Business Insider hat einen Artikel “A Former IDF Soldier Describes The Moment That Changed His Outlook On Operation In Palestinian Territory

 

KadseBomben und Zerstörung

 Ob man will oder nicht, mit der Zeit stellt sich in jedem Krieg eine Routine an Tod und Zerstörung ein und man muss aufpassen, dass keine Abstumpfung erfolgt. Längst hat die Zahl der Todesopfer die 1.000 überschritten, an Verletzten wird  von 7.000 gesprochen und zu den Obdachlosen und Schutzsuchenden sagte Ban Ky Moon gerade, dass UNO-Einrichtungen diese Massen nicht mehr versorgen könnten; man fragt sich ohnehin, wie die das bis jetzt geschafft haben.

UNOSATThema ist inzwischen die Zerstörung, gezeigt auch am neuen Titelbild: eine Katze in Gaza, die in den Trümmern ihr Zuhause sucht.
Satellitenbilder wurden veröffentlicht, die mal wieder zeigen, dass man, was das zivile Leben betrifft, nicht allzu viel herum lügen kann. Ohnehin haben sich Kameras als die vielleicht schärfste Waffe der Zivilisten im Krieg gezeigt und die wird in Gaza weidlich genutzt. Auch die Angriffe diese Nacht auf Gaza wurden von mehreren Live Streams dokumentiert. Man muss einen solchen Stream einmal eine Zeit lang verfolgt haben um zu verstehen, was da geschieht: die stockdunkle Stadt weitgehend ohne Elektrizität, das beständige laute Surren der Drohnen,  das feuerwerksartige Ploppen der Leuchmunition und dazwischen überraschend die schweren Einschläge, gefolgt von den Martinshörnern der Ambulanzen … und gerade auch die kleinen Dinge sind wichtig, um die Theorie der Nachrichten auf Leben zu beziehen: das Gebell eines Hundes, das bei  den Einschlägen eine Zeit lang verstummt, um danach wieder anzuheben.  Hund und Katze, unbeteiligt und uns vertraut zeigen sie am ehesten, was solche Angriffe für Lebewesen, zu denen ja auch der Mensch gehört, bedeuten.

Beit HanounBeit Hanoun, ein Stadtteil Gazas, sieht nun auch so aus, wie Shejaiya. Die Älteren werden sich an den Vietnamkrieg erinnern, in dem ein US-General den Vietkong in die Steinzeit zurück bomben wollte. Wir wissen, wie das ausgegangen ist. Menschen reagieren nun mal nicht so physiologisch, wie Wissenschaftler sich das in friedlichen Wohlstandszeiten ausdenken und in Labors experimentell erforschen. Unterschätzt wird das Menschliche schlechthin, der menschliche Wille. Der sich z.B. in dem zeigte, der in der Nacht twitterte, nein, er habe gar keine Angst; vielmehr eine seltsame tiefe Ruhe im Herzen. Vielleicht kennen dies nur die Wenigsten von sich selbst. Aber wer es kennt, der weiß, was es bedeutet: ein unumstößlicher Entschluss.

Es ist auch das, was Adeem Abu-Middain hier von ihrem Vater beschreibt: als der Waffenstillstand die Möglichkeit  zur Flucht bot, weigerte er sich, sein Haus zu verlassen. In Erinnerung an die Nakba 1948. Nie wieder würde er sein Haus  verlassen. Dann eben lieber sterben.

Friedhof

Über zerstörte Friedhöfe machen die Bewohner Witze: wenn die Israeli nicht genug Lebende erwischen, bringen sie eben die Toten noch mal um.

Viele Menschen aus Gaza reden jetzt von der Nakba, der gewaltsamen Vertreibung der Palästinenser aus dem jetzigen israelischen Staatsgebiet, bewirkt durch israelischen Terror, am bekanntesten das Massaker von Deir Yasin. Das, was jetzt mit Gaza geschieht, erinnert sie daran bzw. an das, was ihnen von ihren Eltern erzählt wurde – und so ganz von der Hand zu weisen ist das nicht, wenn man die hier übersetzten Gedanken Moshe Feiglins kennt. Denn, wie soll das wieder aufgebaut werden und wovon? Und wo sollen wir wohnen, fragen die Menschen.

Gaza ist eines der am dichtesten besiedelten Gebiete der Erde, vergleichbar mit München und Berlin. Die Menschen, die dort wohnen, stammen selbstverständlich nicht alle aus Gaza; der geringste Teil tut es. So viele Bewohner hätte der kleine Küstenstreifen am Mittelmeer gar nicht ernähren können. 2/3 bis 3/4 sind Flüchtlinge aus sämtlichen älteren Palästina-Kriegen, primär dem von 1948, ca. 22 % von ihnen wohnen in Flüchtlingslagern und das Lager Beach, eines der am dichtesten besiedelten Gebiete der Erde, beherbergt über 80.000 Menschen auf weniger als 1 km²; das sind fast drei Mal so viel wie in Mumbai / Bombay. Und auch dieses Lager wurde von Israel angegriffen. Natürlich fragen sich die Menschen, wo sie nun leben sollen. Es waren ja noch nicht einmal die Schäden von den letzten Kriegen beseitigt, denn Israel hatte nur sehr sporadisch Baumaterialien durch den Grenzübergang gelassen. Zwar weisen sie jetzt auf das Material für die Tunnel. Das jedoch wurde im Zweifel geschmuggelt und wer der Hamas Vorwürfe machen will, warum sie nicht lieber Häuser daraus gebaut habe – erinnern wir uns an unsere eigenen Kriege, z.B. den heute vor 100 Jahren ausgebrochenen ersten Weltkrieg.  Wann hätte ein Regime jemals auf Rüstung verzichtet, um statt dessen seine zivile Bevölkerung besser zu versorgen? Und sind die Gelder etwa dafür geflossen?
Puffer ZoneEt is, wie et is, sagt der Kölner, und Zementlieferungen für zivile Bauten kann man auch in Sachen Verwendungszweck kontrollieren lassen. Es sind genug zivile NGO’s im Gaza-Streifen.
Es gibt Europäer, die sich schon mal vorsorglich beschweren, dass wieder Europa Aufbauarbeit leisten, vor allem zahlen müsse. Nun, ich denke, allein aus erzieherischen Gründen ist es nicht angebracht, Israel nicht wenigstens mit zahlen zu lassen für den Wiederaufbau des Gaza-Streifens. Kann ja nicht angehen, dass es rücksichtslos alles zerschlägt im Vertrauen darauf, dass andere schon die Kosten tragen werden. Man kann es von Israel-Hilfen abziehen.

Gaza ist dicht besiedelt wie eine Großstadt, teilweise gehört es zu den am dichtesten besiedelten Gebieten der Erde. Muss man sich dran erinnern um ermessen zu können, was diese Grafik zeigt: Israel hat entlang der Grenze eine 23 km breite Pufferzone eingerichtet und die dort befindlichen Kommunen zum Verlassen der Gegend aufgefordert.

Das bedeutet dann noch mal 40% weniger Land.

 

Mittwoch, 23. Juli

2307.2Das Foto des Tages ist ein Tweet von Mohammed Suliman aus Gaza: “Ich freue mich drauf, zu überleben. Sollte ich es nicht, erinnert euch, dass ich weder von der Hamas, noch ein Militanter, noch eine “Menschliches Schutzschild” war – Ich war einfach zu Hause.

Die Zahl der Todesopfer wird inzwischen mit 648 angegeben, Verletzte über 4.000.
Die Zahl israelischer Gefallener gibt el-Jazeera mit 32 an, zzgl. ein Vermisster.

Die West Bank sollen wir auch nicht gänzlich vergessen. Dort zerstört Israel die Häuser von Palästinensern, die angeblich Israelis Schaden zugefügt haben. Also schlichte Sippenhaft. So wurde lt. Washington Post das Haus der Familie Kawasmeh in Hebron zerstört, weil ein Sohn verdächtig ist, an der Entführung und Ermordung der drei israelischen Teenager beteiligt gewesen zu sein.  Der Sohn ist natürlich verschwunden, also nimmt man offenbar ersatzweise seine Familie.

Weiter gehen die Schikanen gegen ausländische Journalisten: sie dürfen nicht mehr nach Gaza hinein oder heraus. Dazu wird angenommen, dass Israel den Mobilfunkverkehr aus Gaza stoppen will. Erfahren mit dem Netzkappen durch arabische Diktatoren hat Anonymous schon mal Ersatznummern ins Netz gestellt.

 

2307.1so sieht heute Shejaiya aus: ein Trümmerfeld, in dem Helfer weiterhin nach verschütteten Opfern suchen. Klar, das ist nicht mehr bewohnbar und es entsteht die Frage, wo soll die hin, die dort gewohnt haben?
Die gleiche Frage entsteht bei der von Israel geforderten Evakuierung des nunmehr größten Krankenhauses Shifa: wo sollen die Patienten hin?
Ich glaube nicht, dass irgend ein vernünftiger Mensch daran zweifelt, dass angesichts der Morde und der umfassenden Zerstörung das eigentliche Kriegsziel Israels ist, die Zivilbevölkerung weitgehend zu vertreiben, also eine Wiederholung der Nakba von 1948 zu veranstalten. Anklagen gegen die Araber, die ja den armen Palästinensern nicht helfen, könnten durchaus zum Ziel haben, sie so unter Druck zu setzen, dass sie die Bewohner – vorübergehend – aufnehmen; Israel würde sie natürlich nicht wieder zurück lassen.
Wohin also das Krankenhaus evakuieren? Ich nehme an, am liebsten wäre ihnen Ägypten. Ich denke, Ägypten wird ihm was husten.

Die Araber machen ihre makabren Witze dazu:
Israel: Ihr solltet besser evakuieren, Jungs, wir werden paar Bomben abwerfen.
Gaza: Okay, wir kommen.
Israel: Ehm – Moment, Ihr könnt nicht nach Israel kommen, weil Ihr Palästinenser seid.
Gaza: Aber Ihr kontrolliert all unsere Grenzen, wo sollen wir hin?
Israel: Hört sich nach ‘nem persönlichen Problem an.
Gaza: … Also hier bleiben?
Israel: Wenn Ihr wollt, aber sagt nicht, wir hätten Euch nicht gewarnt.

FamilieWas in Gaza passiert, lässt sich gut an dieser Grafik erkennen.
Es ist der Stammbaum der Familie Abu Jame’ . Getötet wurden 25 Menschen auf einen Schlag, von der Oma bis zu den Enkeln, darunter drei schwangere Frauen. Wahrscheinlicher Grund: ein möglicherweise Militanter, der seine Familie besuchte. Dass das in keinem Verhältnis mehr steht, dürfte einleuchten.

 

An einer Front hat Israel den krieg auf jeden Fall schon verloren: an der Medienfront, vor allem den Social Medien. Da sind sich mehrere renommierte Medien einig, hier die Meinung des Independent vom heutigen Tag.
Niemand rechnet damit, dass das nicht hängen bleibt.

Navi Pillay, Hohe Kommissarin der Vereinten Nationen für Menschenrechte, hat heute in Genf erklärt, Israel tue nicht genug für den Schutz der Zivilisten und könnte Kriegsverbrechen begangen haben. Hier ein Bericht der BBC.
Inzwischen hat die Kommission Ermittlungen zu möglichen Kriegsverbrechen Israels zugestimmt.

Der Druck auf Israel wird stärker. Angeblich aus Sicherheitsgründen beteiligen sich die wichtigsten Airlines an einem Flugbann des Ben Gurion Flughafens in Tel Aviv, was WDR 5 heute morgen damit kommentierte, dass die israelis angesichts dieser neuen Erfahrung die die Bürger Gazas längst kennen, nämlich nicht raus zu können aus dem eigenen Land, doch recht beunruhigt sind.
Inzwischen wurde der Flugstopp um weitere 24 Stunden verlängert.

Dienstag, 22. Juli

Das israelische Militär gibt nun –  notgedrungen – seine eigenen Verluste zu: in den vier Tagen seit Beginn der Bodenoffensive sind 25 israelische Soldaten gefallen. Zum Vergleich: in den drei Kriegswochen 2008 sind insgesamt 6 israelische Soldaten gefallen.

Montag, 21. Juli

Flechette shell dartsDas sind Flechette Shells. “Darts Munition”, weil der Inhalt der Granaten kleinen Darts-Pfeilen ähnelt. Es handelt sich also um Streumunition. Anti-Personen-Munition. Sie wird meist von Panzern abgeschossen und gibt bei Explosion tausende kleiner Metallpfeile frei, 37,5 mm lang,  die sich dann in einem Feld von 300 m Länge und 90 m Breite verteilt. Wer sich in diesem Feld aufhält, wird von den kleinen Pfeilen verletzt, zuweilen tödlich. diese Munition ist zwar nicht ausdrücklich verboten, fällt aber nach der israelischen Menschenrechtsorganisation B’Tselem, die sich um Transparenz hierzu verdient gemacht hat, dennoch unter die in Gaza illegalen Waffen, da sie das Grundprinzip verletzen, wonach zwischen Kombattanten und Zivilisten zu unterscheiden ist, was Streumunition, abgefeuert in einem dicht besiedelten Gebiet, selbstverständlich nicht tut.
Dass Israel Streumunition in Gaza verwendet, geht schon einige Tage lang mit diesem Foto durch’s Netz. Allerdings bedarf es bei solchen Anklagen, wie Verwendung von Streumunition gegen Zivilisten, sorgfältiger Recherchen. Die offenbar der Guardian angestellt hat, weswegen er erst jetzt darüber berichtet.
Israel hat die Verwendung von Streumunition in Gaza (nicht das erste mal, dass es sie verwendet) nicht dementiert.
Gleichfalls erwähnt der Guardian den Gebrauch von weißem Phosphor durch die IDF z.B. in Gaza 2009. Weißen Phosphor auf Zivilbevölkerung abzufeuern ist ohne jeden Zweifel ein Kriegsverbrechen. Siehe Wikipedia: “Der Einsatz von Brandwaffen gegen Zivilpersonen bzw. in einer Art und Weise, in der es leicht zu sogenannten „Kollateralschäden“ kommen kann, ist entsprechend dem Verbot von unterschiedslosen Angriffen in den Zusatzprotokollen von 1977 zu den Genfer Abkommen von 1949 verboten“. Weißer Phosphor brennt nämlich durch bis auf die Knochen, auch tagelang, und ist außerdem giftig.  Er führt nicht selten zu qualvollem, bis zu 10 Tage langem Sterben.
nach entsprechender Anklage sagte die IDF letztes Jahr zu, sie würde “den Einsatz von Granaten, die weißen Phosphor enthalten, in bebauten Gebieten vermeiden, mit zwei engen Ausnahmen” – wobei die Ausnahmen nicht genannt wurden.
Es wird behauptet – und es gibt auch Fotos – Israel habe doch wieder weißen Phosphor in Gaza eingesetzt. Im Zeitalter von Photoshop genügt das natürlich nicht.
Es würde jedoch niemanden, der sich mit der Geschichte der Kriege von der angeblich moralischsten Armee auskenne, wundern.
Wie der alte erfahrene Kriegsberichterstatter Robert Fisk sagte: er habe keinen Unterschied zwischen diesem undisziplinierten Gesindel von einer Armee, der IDF, und ihren Gegnern erkennen können.

Die Zensur der Medien macht weitere Fortschritte: lt. dem u.a. für The Atlantic Post arbeitenden Journalisten  Mohamed Hemish verkündete der rechtsradikale Außenminister Lieberman, man arbeite daran zu verhindern, dass el-Jazeera TV in Israel operiert.

Die aktuellen Opferzahlen lt. Gesundheitsministerium: 550 Tote,  3.350  Verwundete.

Israel hat offenbar alle Hemmungen, alle Bindungen an eine zivilisierte menschliche Gemeinschaft  verloren. Dieses Video, übernommen auch von electronic intifada, die in der Regel nichts ungeprüft veröffentlichen, wurde wohl ursprünglich aufgenommen, um die Zerstörungen und die Suche nach Verwundeten zu zeigen.
Offenbar kam es aber anders. Statt dessen wurde das Team Zeuge, wie israelische Scharfschützen einen verwundeten Zivilisten erschossen.

2107.1UNRWA teilt mit, dass nunmehr mehr als 100 Kinder getötet wurden. Das ist fast 1/4 aller palästinensischen Todesopfer.

Die Reihe seiner Kriegsverbrechen – tut mir leid, aber das sind sie ohne Zweifel – hat Israel heute mit dem Beschuss des el-Aqsa-Krankenhauses fortgesetzt. Zwölf Geschosse von Panzern schlugen ein, in der Verwaltung, in der Intensivpflege und im Operationssaal. Man sieht, man ist also tatsächlich nirgendwo in Gaza sicher, noch nicht einmal auf dem OP-Tisch.  Bilanz: vier Tote (falls alle ihre Verletzungen überleben), 60  Verletzte, davon 30 Krankenhauspersonal, also Ärzte, Schwestern usw. bei der Arbeit. Getroffen worden sein soll die Haupteinheit zur Produktion von Sauerstoff für die Intensivmedizin.

2007.2Anschauungsmaterial: wenn Israel davor warnt, jemandem das Haus zu zerbomben, dann sieht das so aus. Räumungsbefehl per SMS. Und wer sein Haus dann nicht umgehend räumt, ist selbst schuld, wenn seine ganze Familie darin umkommt. Denn Israel ist ja bekanntlich immer unschuldig.
(Deren Frechheit ist einfach unglaublich.)

Eine Dringlichkeitssitzung des UNO-Sicherheitsrates gab’s Sonntag Nacht, das ist auch nicht so gewöhnlich. Es wird nicht erwartet, dass Israel sich groß darum schert; allerdings wird das den Sicherheitsrat scheren.

Der mögliche Einsatz von DIME-Waffen wird nun auch in Gazas Gesundheitsministerium diskutiert. Dass der zivile Opfer verhindere, ist freilich lächerlich. Wer den Libyen-Krieg verfolgt hat, weiß, wie man militärische Einsätze unter Vermeidung ziviler Opfer macht; so nicht.
Zudem meldet el-Jazeera den Einsatz von weißem Phosphor. Bestätigt ist das noch nicht, es wäre allerdings nicht das erste Mal.

Gideon Levy von Ha’aretz war schon am 13.07.14, also gegen Beginn des Angriffs, der Meinung, Israels Kriegsziel sei es, Araber zu töten. Das ist nicht so abwegig, wie es im ersten Moment scheint. Tatsächlich war dies bereits das vorherrschende Ziel in vielen, insbesondere deutschen Kolonialkriegen und letztlich ist auch dies ein Kolonialkrieg. Es empfiehlt sich, mal zum Vergleich diesen Wikipediaartikel zum Aufstand der Herero und Nama zu lesen.

Sonntag, 20. Juli

Arzt

Bild des Tages: Arzt angesichts des unaufhörlichen Stromes an Verwundeten aus Nord-Gaza-Stadt

Schreckliche Bilder gab  es heute. Von Toten, auf der Straße oder unter Trümmern liegend, von zerschossenen Kindern … bewegende Tweets von Journalisten, die dabei waren, als ein Kind still und ohne ein Wort zu sagen, auch ohne dass irgend wer es gekannt hätte, starb. Viel müssen die Journalisten aushalten. Nicht immer schaffen sie’s. Auf diesem kurzen Video von el-Jazeera arabisch bricht der Journalist während des Berichts weinend zusammen.
87 Palästinenser sind heute ums Leben gekommen, mindestens 60 in Shejaiya. Mindestens, denn noch werden nicht alle Toten und Verletzten geborgen sein. Das Internationale Rote Kreuz schrieb, es sei sehr betroffen wegen der unbekannten Anzahl Verwundeter und Zivilisten, die immer noch im Kampfgebiet gefangen seien.
Gaza sieht zunehmend aus wie Beirut 1982.
Es sind heute auch 13 israelische Soldaten gefallen. Ich kann nicht sagen, dass mir das besonders weh tut. Hamas tötet Soldaten. Israel Zivilisten. Und die liegen mir nun mal mehr am Herzen.
Die UNRWA gibt an, es hätten nunmehr 81.000 Palästinenser in 61 Schulen Zuflucht gesucht. Schon gestern kam ein Hilferuf: es fehle am nötigsten, sie hätten kaum noch Matrazen.
Doch Israel hat schon die nächsten Stadtteile zur Evakuierung aufgefordert. Die Leute wissen nur nicht, wohin; in Gaza ist es nirgendwo sicher. Inzwischen kommen erste Berichte, dass die Schulen nicht mehr ausreichen; Kirchen öffenen ihre Türen. Warum keine Moscheen? Nicht sicher, zu viele wurden schon zerstört.

Zu etwas anderem.
Mit besonderer Ekelhaftigkeit tat sich heute Netanyahu hervor, der auf CNN – Amerikaner versicherten, sie hätten erst gemeint, sich verhört zu haben – die Hamas zynischer Achtlosigkeit menschlichem Leben gegenüber anklagte. Mit Fassungslosigkeit wurde aufgenommen, dass er sie beschuldigte, “telegen tote Palästinenser für ihre Sache zu gebrauchen” “genozidale Terroristen” – Selbstvölkermord.

Zu den ewigen Ausflüchten und Lügen der israelischen Regierung gibt es ausgerechnet auf “die Welt” einen umfangreichen, mit reichlich verlinkten Quellen  versehenen Artikel, der die Frage klärt, wer hier tatsächlich immer die Kriege angefangen hat, nämlich Israel. Der Artikel sei hiermit empfohlen.

Offenbar meint Israel, es nicht nötig zu haben, sich um Genfer Konvention und internationales Presserecht zu kümmern.
Bestätigt wurde der Tod eines deutlich als Presse gekennzeichneten Journalisten sowie zweier Rettungssanitäter.

Gaza Stadt Flucht

Flucht aus Gaza-Stadt

Gaza Stadt Flucht 2 Heute gab – und gibt es wohl noch – ein Massaker vor allem in Shejaiya im Osten von Gaza Stadt, der auch Flüchtlingslager beherbergt.
Es begann mit auffallend massivem Panzerbeschuss; Journalisten berichteten davon.
Inzwischen treffen unbeschreibliche Bilder ein, Berichte und Fotos, dass Tausende fliehen.
Israel hat Shejaiya zum militärischen Sperrgebiet erklärt mit dem Ergebnis, dass auch das Rote Kreuz nicht hinein durfte, um den Verwundeten zu helfen; teilweise wurden Ambulanzen beschossen.
Dieses Handy-Video soll aus Shejaiya sein. Es ist zwar noch unbestätigt, entspricht aber den sonstigen vielfältigen Angaben und Berichten. Man sieht Zerstörungen – und Tote, die auf den Straßen liegen.
Es ist ein Massaker. Ein Genozid.

Email wg JournalistenInzwischen ist die gestern erwähnte Email an Journalisten der Huffington Post veröffentlicht, mit der die GPO, Presseabteilung der israelischen Regierung, ‘Ratschläge’ an die Journalisten gibt, die in Gaza die Operation Protective Edge beobachten.

Das Büro tut alles in seiner Macht stehende, die ausländische Presse mit zeitgerechten Informationen zu versorgen und Zugang zu erleichtern.” Aber: “Die Feindseligkeiten zu beobachten setzt Journalisten lebensbedrohlicher Gefahr aus (bezieht Risiken für ihre Ausrüstung ein).”  Angeblich könne die Hamas sie, nicht wenige erfahrene Kriegsberichterstatterm, als menschliche Schutzschilde missbrauchen. Und: “Israel ist in keiner Weise verantwortlich für  Verletzungen oder Beschädigungen, die als Ergebnis von Feldreportagen auftreten können.
Die Botschaft ist klar und wurde auch genau so verstanden:
wer nicht als Embedded Journalist nach dem Willen des israelischen Militär berichtet, ist Freiwild für sie.
Sie wollen keine Zeugen. Aber sie werden es nicht verhindern können.

Konkrete Zahlen von der UNO: 336 Tote, davon 56 Frauen, 77 Kinder; 2.268 Verletzte, gut 650 Kinder, 463 Frauen; 900.000 ohne Wasseversor gungund ohne sanitäre Einrichtungen, 50.000 Flüchtlinge in 44 UNRWA-Schulen; für 80% nur 4 Std. am Tag Strom.

Samstag, 19. Juli

Drohung gg JournalistenSo. Und wenn das stimmt, was hier eben herein gekommen ist – und die Quelle ist normalerweise recht zuverlässig – dann haben die Journalisten nunmehr eine Todesdrohung erhalten. Bitte an den Tweet über das nicht sichere Hotel denken.

MohyeldinAyman Mohyeldin von NBC darf wieder nach Gaza (siehe hierzu Update vom 17. Juli – Baltimore Sun) – vielleicht über Ägypten, irgendwie wird er schon rein kommen.
Es lohnt sich, diese Zusammenfassung zu lesen; auch wenn alles schon schön durchs Netz gegangen ist.
Er war von NBC kommentarlos  zurück gerufen worden – nachdem er über die Ermordung der vier Kinder an Gaza’s Strand berichtet hatte; er war offenbar Augenzeuge, hatte mit einem Jungen vorher noch Fußball gespielt.  Seine Abberufung führte zu einer Menge Proteste, auf von Kollegen. Jetzt kommt er also wieder.
Es hieß, seine Sicherheit sei gefährdet gewesen. Na ja, was immer das bei einem Kriegsberichterstatter heißen mag.
Schwierigkeiten hatte ja auch CNN’s Diana Magnay, die ebenso abberufen wurde. Sie hatte von der ‘Aussichtsplattform’ an der Grenze zu Gaza von der beginnenden Invasion berichtet, dass sie von einer Menge Israelis umringt wurde, die drohten, ihr Auto anzuzünden, wenn sie ein falsches Wort berichten würden.
Darauf hin nannte sie die Bedroher auf Twitter “Abschaum”.

Inzwischen ist die Opferzahl angestiegen auf 339 Tote, 2.500  Verwundete. Die werden anscheinend nur noch Pi mal Daumen angegeben, es sind zu viele.

Die UNRWA teilt mit, dass in ihren Schulen inzwischen über 50.000 Palästinenser Schutz suchen.

Der internationale Protest gegen Israels Militäraktion schwillt gewaltig an.
In London demonstrierten heute 15.000 gegen diese Aktion; Huffington Post berichtet.
In Paris demonstrierten heute wieder Tausende, obgleich Demonstrationen gestern von der Regierung verboten worden waren. Aber wann hätte das einen Franzosen schon mal gestört? Es kam zu Zusammenstößen mit der Polizei, allerdings sorgten die Demonstranten offenbar eifrig dafür, dass die Demonstrationen friedlich blieben. France 24 berichtet live.
Berühmtheiten aus Literatur und Wissenschaft, darunter einige Nobelpreisträger, unterzeichneten einen Aufruf zum Militärembargo gegen Israel.

JournalistenhotelsSchon am 15. Juli hatten 5.000 in London vor dem Headquarter der BBC demonstriert, die offenbar etwas einseitig pro-israelisch berichtet. Zynisch unterhielten sich heute darüber einige Journalisten:

Miller: Die IDF sagt, drei Hotels seien sicher für Journalisten. Unseres ist nicht dabei. Die IDF weigert sich, es auf ihre Liste zu nehmen. CNN, Channel 5 und Freelancer wohnen da auch.
Evans: Ich denk an Euch, Jungs. Ich glaub, wir können alle raten, wo die BBC-Journos sind.

Opferzahlen heute morgen lt Gesundheitsministerium Gaza: 318 Tote, 2.290 Verletzte.

Inzwischen gibt es reichlich Nachrichten zu Gaza in Presse, Funk und Fernsehen, so dass ich mir solche wohl sparen kann.

Doch es gibt auch noch anderes, was dringend bemerkt werden sollte.
Israel greift – angeblich – die Hamas an. Das ist nicht wahr. Es greift die Zivilbevölkerung an. Das ist seit einiger Zeit eine neue Mode bei Staaten: Krieg gegen die Zivilbevölkerung als  Bestrafung für eigenen politischen Willen und freie Meinungsäußerung.  Das ist in Syrien der Fall, das ist in der Ukraine der Fall und natürlich auch in Gaza. Wie man das fest stellt? Man schaue sich die Opferzahlen an.

Lager in Schule

Gaza, Geflüchtete in einer Schule der UN

Wer wehrlose Zivilisten hinschlachten will, muss sie entmenschlichen. Nicht nur im Bild der Öffentlichkeit, sondern auch im eigenen Bewusstsein. Auch das geschieht in Gaza. Hören wir Israel zu, so gibt es in Gaza gar keine Zivilbevölkerung. Es gibt nur Hamas. Es gibt keine Kinder, keine Frauen, keine Alten, keine Behinderten, es gibt nur Hamas-Kämpfer.
Doch es sind die wehrlosen Kinder, Frauen, Alten, Behinderten, die hingemordet werden. Die Krieger haben gerade in solchen Kämpfen immer die beste Überlebenschance, auch die Hamas-Krieger.

Es sterben Menschen in Gaza. Nette, freundliche, harmlose Zivilisten. Sterben oder werden, sollten sie davon kommen, für ihr Leben gezeichnet. Einen solchen Menschen hat William Dalrymple heute auf Twitter gezeigt:

Gerade eben von einem Freund in Gaza:
“Ich werde Ihnen sagen, was härter ist, als  in Gaza von einer israelischen Rakete deluxe zu sterben. Was härter ist: dass Sie einen Anruf von der israelischen Armee bekommen, der  sagt, dass Sie Ihr Haus zu evakuieren haben, weil es in zehn Minuten bombardiert wird. 10 Minuten, und Ihre ganze kurze Geschichte auf der Oberfläche dieser Erde wird gelöscht. Geschenke, die Sie erhalten haben, Fotos von Ihren Geschwistern und Ihren Kindern (tot oder lebendig), Dinge, die Sie lieben, Ihr Lieblingssessel, Ihre Bücher, die letzte Gedichtsammlung, die Sie gelesen haben. Ein Brief von Ihrer Schwester im Ausland, Erinnerungen an die, die Sie lieben, der Geruch von Ihrem Bett, der Jasminstrauch, der vor Ihrem Westfenster herab hängt, ein Haarclip Ihre Tochter, Ihre alten Kleider, Ihr Gebetsteppich, das Gold Ihrer Frau, Ihre Ersparnisse; stellen Sie sich vor, all dies rast vor Ihren Augen in zehn Minuten vorbei, der ganze Schmerz rast vorbei, während Sie noch von Überraschung gefangen sind. Dann nehmen Sie Ihre Ausweispapiere (Pass, Geburtsurkunde, etc.), die Sie in einer alten Metallpralinenschachtel bereit liegen haben, und Sie verlassen Ihr Heim, um tausendmal sterben, oder Sie weigern sich es zu verlassen und sterben gleich.

 

Freitag, 18. Juli

Opferrate am Morgen: 260 Tote, 2.000 Verletzte.

 

Donnerstag, 17. Juli

Patienten von Wafa

Dr. Alashi mit seinen Patienten am 16. Juli im Wafa Krankenhaus

Das Wafa-Krankenhaus wurde bombardiert, um die Stromversorgung abzuschneiden. Dr. Alashi wurden zwei Stunden gegeben, um seine Patienten zu evakuieren. Wohin, weiß er nicht, denn freie Plätze in Krankenhäusern gibt es nicht und alte Menschen ins Ausland zu bringen, weg von ihren Kindern und Enkeln, ist unmenschlich.

Die wenigen Stunden Waffenstillstand haben zwar gehalten, doch die Hoffnung, es könnte mehr daraus werden, erfüllte sich nicht:

Ankündigung Bodenoffensive

 

 

Foreign Policy ging in seinem Situation Report von heute Mittag davon aus, dass es zu dieser Bodenoffensive kommen wird. Es rechnet auch mit einer längeren Wiederbesetzung. Dazu beigetragen haben dürfte auch die Pressekonferenz, über die ich gestern berichtete; in ihr hatte Netanyahu die Pseudo-Freilassung Gazas als einen Fehler bezeichnet.
Ich weise mal darauf hin, dass die Wiederbesetzung für Israel ein teures Vergnügen werden wird, denn damit wird es auch für die Versorgung von 1,7 Millionen Menschen verantwortlich, deren zivile Infrastruktur es in mehreren Kriegen gründlich kaputt gebombt hat.
Die Hoffnung auf ein Ausmerzen des ‘Terrorismus’ wird sich nicht erfüllen. Denn tatsächlich handelt es sich hier um einen Widerstandskampf, der dazu auch noch deswegen unausrottbar ist, weil er längst Stützpunkte im sicheren Ausland hat. Die israelischen Militärs sollten ihren Clausewitz nochmal lesen um zu begreifen, was das heißt.
Die Notwendigkeit der Bodenoffensive wird u.a. begründet mit der überraschend starken Feuerkraft – und gewiss auch mit kundig-erfahrenem Tunnelbau.

WDR 5 erfreute gleich im Morgenmagazin des zynischen Friedensfreundes Herz, indem er  auf die wirtschaftlichen Folgen hinweist,  die der Gaza-Krieg für Israel hat. Der Konsum geht nämlich erheblich zurück, auch die Fahrten mit öffentlichen Verkehrsmitteln, was sich nicht nur auf auf die insbesondere mittelständischen Unternehmen auswirken wird, sondern über kurz oder lang auch auf die Steuereinnahmen. Besonders problematisch ist der Einbruch im Tourismusgeschäft, das jetzt Hochsaison hat. Viele Reisen wurden storniert, was sich auch bei Flügen sehr bemerkbar macht. Zu erwarten ist, dass das Militär zusätzlich die Hand aufhält, um die Kosten des Krieges herein zu bekommen, bezahlt wird das höchst wahrscheinlich mit Kürzungen im Sozialbereich.
Rechtsradikalismus ist eben eine teure Angelegenheit.
Nach dem gestern hier verlinkten und teilweise zitierten Bericht über Netanyahus Pressekonferenz sollte ohnehin ein umfassender Wirtschaftsboykott nicht mehr in Frage stehen. Wer dermaßen auf die internationale Gemeinschaft scheißt, verdient es nicht besser.

 

CNN berichtet über die Ermordung des 16-jährigen Mohammed Abu Khedair – einziger Grund: er war Araber. Der Tat beschuldigt werden ein 29-jähriger Siedler und zwei 16-jährige Israelis. Motiv sei Rache für die Ermordung der drei israelischen Teenager gewesen, allerdings hätten der Erwachsene und einer der Jugendlichen schon vorher araberfeindliche Straftaten begangen. Sie hätten am 1. Juli versucht, einen Siebenjährigen  zu kidnappen und dabei ihn und seine Mutter verletzt und dann versucht, Autos anzustecken. Am 15. Juni hätten die beiden in einem palästinensichen Dorf nahe Jerusalem einen Laden in Brand gesetzt, weil sie sich über einen der Angestellten geärgert hatten.

Immer noch ist die Ermordung – anders kann man es nicht nennen – der vier Kinder von gestern Thema, inzwischen auch bei den internationalen Medien, wie hier dem Guardian. Abzustreiten ist da nichts: Zeugen wurden eine Menge ausländischer Journalisten, die sich in einem Restaurant am Strand in der Nähe aufhielten und dann erste Hilfe leisteten.

Der Russe Prof. Chossudowsky weist erneut auf seinen Artikel von 2009 hin, betreffend Erdgasfunde Offshore, auch vor der Küste Gazas. Er meinte damals schon, der seinerzeit aktuelle Gaza-Krieg hinge mit diesen Erdgasfunden, die Israel alleine ausbeuten wolle, zusammen. Der Artikel ist sehr lesenswert für die, die sich mit der Sache näher beschäftigen und sollte zumindest wegen der darin enthaltenen Karten über Erdgasvorkommen überflogen werden.

CNN berichtet über weltweit hoch kochende Emotionen bei Demonstrationen. Beispielhaft natürlich die Demonstration in Paris, die im Versuch endete, die Synagoge zu stürmen.  Aber auch die andere Seite, wenn auch meist zahlenmäßig weit unterlegen, verhält sich ausgesprochen aggressiv. In den USA wude einmal, als die zionistische Seite zahlenmäßig weit überlegen war, sogar geschossen, ansonsten wird über Telefonanrufe bei palästinensischen Organisatoren berichtet mit Drohungen, sie bei den Behörden als Mitglieder terroristischer  Vereinigungen und Antisemiten zu denunzieren.
M.E. besteht ohnehin die Befürchtung, dass der Nahostkonflikt wieder ins Ausland getragen werden könnte, wenn er nicht alsbald eingedämmt wird.

Ein besonderes Lob hat die Baltimore Sun für die Kriegsberichterstatter übrig, darunter  Ayman Mohyeldin und sein NBC-Team, das mitten im Feuer der israelischen Polizei in drei Sprachen “Presse!” brüllte und  der auch von mir geschätzte Ben Wedemann von CNN, der sich an der Berichterstattung auch nicht hindern ließ, als ihn ein israelisches Gummigeschoss am Kopf traf. Autor David Zurawik rühmt besonders das im Artikel an zweiter Stelle verlinkte Video von Wedemann und meint, der Horror im Gesicht des kleinen Mädchens, als eine Rakete explodierte, habe ihm mehr über den Krieg erzählt, als sämtliche Experten. Also, anschauen lohnt sich.

 

Mittwoch, 16. Juli

Die Opferzahlen von heute früher Abend: 220 Tote, davon 48 Kinder, 33 Frauen 13 Senioren, 126 Männer. 1.580 Verletzte. 1.920 Gebäude wurden bombardiert, dadurch sind über 8.000 weitere Palästinenser obdachlos geworden. Der israelische Journalist Zwi Yehezkeli meinte allerdings, 50 tote Kinder, das sei nicht viel.

Morgen wird es von 10:00 bis 15:00 Uhr Ortszeit eine “humanitäre Feuereinstellung” geben, damit die Bewohner des Gaza-Streifens sich mit Lebensnotwendigem versorgen können, so lt. Bericht der BBC der israelische Brigadegeneral Mordechai. Diese Feuerpause war von der UNO und anderen internationalen Organisationen gefordert worden, damit die Zivilbevölkerung sich mit Lebensmitteln und anderen notwendigen Gütern versorgen kann; wahrscheinlich auch die Krankenhäuser, die schon länger beklagen, dass ihre Vorräte an Medikamenten und Verbandsmaterial ausgehen.

Trotz neuerlicher Anrufe der IDF mit der Aufforderung, das Wafa-Hospital mit seiner Reha-Station für chronisch Kranke und seiner Geriatrie zu evakuieren, weigert sich Chefarzt Dr. Alashi weiterhin, dem nachzukommen. Statt dessen rief er die WHO um Hilfe an. Er erklärte, seine 16 Patienten seien zu krank, um evakuiert zu werden. Sicherheit sei für sie nicht zu gewinnen, wenn sie in Gefahr seien, auf dem Transport zu sterben. Ca. 16 Mann Krankenhauspersonal bleiben ebenfalls, beschützt wird das Krankenhaus von 8 vorwiegend westlichen Ausländern, die damit menschliche Schutzschilder bilden. Inzwischen ist die Story in den internationalen Medien angekommen, hier ein Bericht des Telegraph.

Tote Kinder Strand

 

 

Über die vier Jungs, die an Gazas Strand Fußball spielten, die ums Leben kamen, als Israel die Kinder bombardierte, berichtete auch der Spiegel.

Den Angriff auf die Kinder hatte eine Life Cam aufgenommen:

Aufzeichnung Strand

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Einen kleinen Einblick in die Mentalität der rechtsradikalen Zionisten bietet dieser Twitter-Kommentar. Tötungsgrund: zukünftige Terroristen. Es ist kein Einzelfall.

Tote Kinder Zionistenkommentar

 

 

Hamas und Islamic Jihad haben 10 Bedingungen für einen zehnjährigen Waffenstillstand genannt. electronic intifada hat sie aufgeführt, Übersetzung spare ich mir, weil ich sie für wenig realistisch halte. Die tatsächlichen Verhandlungen werden sowieso mit Abbas statt finden, insofern sehe ich diese Bedingungen eher als Begleitchor an.

Die Los Angeles Times berichtet über einen ersten gefährlichen Zwischenfall bei einer pro-israelischen Demonstration.Palästinenser taten es Zionisten und Antideutschen gleich und wedelten von einem Fahrzeug aus mit der palästinensischen Flagge, die die Demonstraten ihnen darauf hin weg rissen. Als die Pro-Palästinenser sie wieder holen wollten, kam es zu einer Prügelei, bei der schließlich ein Polizist einen Schuss abgab. Vier Personen – nach anderen Berichten Palästinenser – sollen wegen Angriff mit einer tödlichen Waffe verhaftet worden sein; allerdings handelte es sich bei diesen ‘Waffen’ um Stöcke, mit denen Fahnen und Transparente gehalten werden.
Insbesondere wegen des Schusses wird der Fall noch untersucht.

Marjorie Cohn, Professor an der Thomas Jefferson School of Law (USA)  schreibt eine interessante Zusammenfassung über die Hintergründe des neuen Gaza-Krieges. Argwöhnisch erwähnt sie, dass vor ca. 6 Wochen die israelischen Streitkräfte 17 palästinensische Teenager aus der West Bank entführten und deportierten, nicht allzu lange danach, am 12 Juni dann, wurden die drei israelischen Teenager entführt.  Da die Hamas die Verantwortung stets abgelehnt hatte, lässt sich nicht ausschließen, dass es sich mehr oder minder um eine Privataktion zur Freipressung der 17 palästinensischen Teenager gehandelt haben könnte.  Die Juraprofessorin macht auch noch auf andere interessante Widersprüche aufmerksam.

Erst allmählich verbreiten sich Netanyahus Ansichten über die Zukunft Palästinas. Er äußerte sie letzten Freitag auf einer nur in Hebräisch gehaltenen Pressekonferenz. Die Times of Israel berichtete darüber letzten Sonntag, hier die wesentlichsten Zitate übersetzt:

Bei seiner Pressekonferenz am Freitag schloss der Ministerpräsident volle palästinensischer Souveränität aus, verhöhnt den US-Ansatz für die Sicherheit Israels und stellte seine Nahost-Sicht mit beispielloser Offenheit dar.

Niemand wird in Zukunft behaupten können, er habe uns nicht gesagt, was er wirklich denkt.

Er machte ausdrücklich klar, dass er nie, nie,  einen vollständig souveränen palästinensischen Staates in der Westbank zulassen könne. Er erklärte, dass er Israel fast allein an der Front gegen den bösartigen islamischen Radikalismus stehen sieht, während der Rest der noch freien Welt sein bestes tut, den Marsch des Extremismus nicht zu bemerken. Und er deutete mehr als an, dass er das aktuelle amerikanische, von John Kerry geführte diplomatischen Team als, wollen wir höflich sein, naiv ansieht.

Israel habe sicher zu stellen, “dass wir kein weiteres Gaza in Judäa und Samaria bekommen.” […] “Ich denke, das israelische Volk versteht jetzt, was ich immer sage: es kann keine Situation geben, keine Vereinbarung, in der wir auf die Sicherheitskontrolle über das Gebiet westlich des Jordan verzichten.

Er hat nicht gesagt, dass er eine Zweistaatenlösung nicht unterstütze. Er hat gesagt, dass diese unmöglich sei.

Egal, was die naiven Außenseiter empfehlen, “ich sagte John Kerry und General Allen, den amerikanischen Experten:” W ir leben hier, ich lebe hier, ich weiß, was wir brauchen, um die Sicherheit der israelischen Bevölkerung zu gewährleisten.

Es sei ein Fehler gewesen, dass Israel sich aus dem Gazastreifen zurück gezogen habe, fügte er hinzu.

Nun ja. Damit gibt er also zu, dass er keine Zweistaatenlösung will, dass er die Alleinschuld am Scheitern der Kerry-Verhandlungen trägt, dass er auf Apartheid abzielt, in der in der West Bank nach Südafrikanischem Vorbild Palästinenser-Homelands eingerichtet werden sollen, man kann so etwas dann auch entsprechend den unter vergleichbarer Idee eingericheten Indianerreservaten Konzentrationslager nennen, dass er in unguter Tradition, die den Juden schon in Konfrontation mit Babyloniern und Römern schlecht bekommen ist, sich auch allein gegen den Rest der Welt stellen will, und nicht zuletzt – für die Feinheiten empfiehlt sich die Lektüre des Artikels der Times of Israel – das Israel letztlich die auch verantwortlich ist für die antiislamische Hetze. Was dem, der  die Islamophobie schon seit längerem verfolgt hat, auch schon seit längerem klar war.

Dienstag, 15. Juli

Parlamentarier in Chile

Bild des Tages: Parlamentarier in Chile demonstrieren für Gaza

Neuer Video-Bericht von Harry Fear, Gaza, über Angriffe auf das einzige Rehabilitationskrankenhaus in Gaza. Es wird nun von internationalen Helfern geschützt, die sich als menschliche Schutzschilde hinein setzen, da sie davon ausgehen, dass die Israelis ihr Leben erheblich wertvoller einschätzen als das eines Palästinensers.

Hamas nicht informiert

Heute von der Washington Post veröffentlichter Tweet des Hamas-Sprechers: sie lehnen Waffenstillstand nicht ab, sie waren gar nicht informiert.

Wenige Schlagzeilen machte heute ein aberwitzig erscheinendes Waffenstillstandsangebot, das von Ägypten ausging, jedoch ohne Beteiligung der Hamas. Es ist ohnehin völlig sinnlos, Ägypten hier einzubeziehen, denn Sisi hat schließlich die Muslimbruderschaft zu seinem Todfeind erklärt und damit auch ihren Ableger in Gaza, die Hamas. Eine Bereitschaft, mit ihr zu verhandeln, dürfte also seitens Ägypten nicht vorhanden sein. Es würde den Interessen Ägyptens wohl eher schaden, wenn durch Verhandlungen die Muslimbruderschaft quasi wieder salonfähig gemacht werden würde.  Es ist zu fragen, warum Ägypten diesen Pseudowaffenstillstand überhaupt angeregt hat. Um ganz klar zu machen, dass es mit dieser Sache nichts zu tun haben will? Oder um die PA in der West Bank als alleinigen möglichen Verhandlungspartner hin zu stellen, die Steinmeier gerade besucht? Tatsächlich wäre sie der einzig legitime Verhandlungspartner. Denn auch wenn es Israel überhaupt nicht in den Kram passt: Hamas und Fatah hatten sich auf eine Einheitsregierung geeinigt, die international begrüßt wurde und möglicherweise der eigentliche Grund für Israels Vorgehen gegen Gaza war.  Es ist anzunehmen, dass nicht Palästina und die Araber, sondern auch die internationale Staatengemeinschaft, eingeschlossen die USA, durchaus darauf aus sind, die palästinensische Einheitsregierung gegen Israels Willen durchzusetzen und sie und nicht die Hamas als Verhandlungspartner zu akzeptieren.

Lt. Gesundheitsministerium in Gaza stieg die Opferzahl bis heute ca. 17:00 Uhr auf 193 Tote und 1.420 Verletzte.

Auf israelischer Seite gab es bisher vier Verletzte; allerdings meldet die BBC soeben das erste israelische Todesopfer, ein Zivilist, der durch eine aus Gaza abgeschossene Rakete ums Leben kam.

Das israelische Informationszentrum für Menschenrechte in den besetzten Territorien, also eine linke oppositionelle Organisation, dokumentiert sarkastisch einen Wandel im Sprachgebrauch bei der “IDF Spokesperson”, also Sprecher der israelischen Streitkräfte. Hieß es am 8. Juli  noch: “Unter den angegriffenen Zielen waren vier Häuser von Aktivisten der Hamas Terrororganisation, die in terroristische Aktivitäten einbezogen sind …“, so hieß es am nächsten Tag, das Militär habe zusätzlich Häuser von Hamas-Aktivisten angegriffen, “die als Kommando- und Kommunikations
Kontrollinfrastruktur für die Organisation fungierten“. Am selben Abend schließlich stellte IDF-Spokesperson es ganz ein, von der Zerstörung von Häusern zu reden, nunmehr sollte “die operationale Infrastruktur eines hochrangigen Hamas Funktionärs angegriffen” worden sein.
Es sei daran erinnert, als eine solche  “operationalen Infrastruktur” wurden die 17 Familienangehörigen des Polizeichefs von Gaza, das jüngste 13 Jahre alt, verkauft.

Uri Averny schrieb schon am 12. Juli diesen Artikel “Der Frieden zwischen Israel und Palästina ist möglich!“, in dem er  rassistische Ausfälle anlässlich des Todes der drei israelischen Teenager anprangerte.

 

Montag, 14. Juli 2014

Kahanisten-DemoZum Schluss des Tages gab es noch eine Kahanisten-Demo in Jerusalem als Reaktion auf die Protestdemos der Linken gegen den Gaza-Krieg. Die Kahanisten, auch Kach, sollten eigentlich verboten sein, haben aber zunehmend Einfluss über kaum gemäßigtere Gruppierungen, die in der Knesseth sitzen. Die Demo fand statt unter dem Motto “Tod den Arabern”, “Verräter”, “Linke nach Gaza!”.

Für seriöse weiter führende Informationen empfiehlt sie die UN-Agentur für palästinensische Flüchtlinge UNRWA, die unter @unrwa twittert.  Sie gibt auf der verlinkten Seite täglich 24-Stunden-Updates zur humanitären Situation heraus. Heute forderte sie zur Einstellung der Kämpfe auf, da dadurch nicht nur Menschen getötet und verletzt werden, sondern weil Israel auch die zivile Infrastruktur zerstört. Auch die Einrichtungen der UNRWA sind davon betroffen. Seit dem 1. Juni sind 49 ihrer Einrichtungen beschädigt worden, in den letzten 24 Stunden allein drei, alles Schulen. In Anbetracht der Tatsache, dass die Bevölkerung von Gaza in Massen UN-Schulen aufsucht, um dort halbwegs sicher den Krieg zu überleben, überkommt einen natürlich der Verdacht, dass Israel diese Zufluchtsmöglichkeit eindämmen will, indem es solche Schulen so demoliert, dass sie keine Zuflucht mehr bieten können.

Inzwischen hat die Anzahl der Todesopfer 181 erreicht. Das International Middle East Center hat eine Liste heraus gegeben, die zu überfliegen lohnt, weil hinter den meisten Namen die Altersangabe steht. Das jüngste Todesopfer, das ich gesehen habe, war 18 Monate alt. Ich denke, das sagt genug.

Lt. El-Jazeera wurden drei Trainigseinrichtungen der militanten Qassam-Brigaden der Hamas bombardiert, jedoch gab es keine Opfer.  Die meisten Opfer sind nach Meldungen unterschiedlicher Organisationen ohnehin Zivilisten. Hier noch von einem Kampf gegen Hamas oder gar die Qassam-Brigaden zu sprechen, erscheint ziemlich lächerlich.

Kinder schlafen

Unicef fotografierte erschöpfte Kinder, die in einer ihrer Schulen in Gaza Zuflucht fanden,

Nachdem UNO-Einrichtungen, insbesondere Schulen, gestern 4.000 schutzsuchende Palästinenser aufgenommen hatten, ist die Zahl inzwischen auf 17.000 angewachsen. Da Gaza hermetisch abgeriegelt ist, scheinen Zivilisten Terrain unter UNO-Verwaltung als einzige Fluchtmöglichkeit anzusehen. Abbas erklärte, er wolle Ban Ky Moon bitten, den Staat Palästina unter den Schutz der UNO zu stellen.

Vermittlungsbemühungen für einen Waffenstillstand nehmen zu, Israel lehnt einen solchen jedoch ab. Es gibt ja innerhalb der israelischen Regierung einen Konflikt zwischen Netanyahu und den Rechtsradikalen Liberman und Bennet, die Gaza für längere Zeit besetzen und dort die Hamas “von Hand” bekämpfen wollen. Da bereits jetzt die meisten Opfer Zivilisten sind, kann man sich das Ergebnis ausrechnen. Die Palästinenser sagen ohnehin schon die ganze Zeit, da Gaza hermetisch abgeriegelt ist, weder Heer noch Luftwaffe noch Marine hat, auch keine Schutzräume und keine Luftüberwachung, sei es völlig hilflos, dies also kein Krieg, sondern ein Genozid.

Nebenbei kann man das, was in der West Bank weiterhin stattfindet, inzwischen wohl auch Krieg nennen. Dort soll heute bei Hebron ein 21-jähriger Palästinenser angeschossen worden sein. Die herbei geeilten Ärzte wurden erst zu ihm gelassen, als er verblutet war.

Unterdessen protestieren linke Israeli auch in Israel gegen den Gaza-Krieg und für Frieden mit Palästina. Der israelische Journalist Haggai Matar schrieb einen beeindruckenden Bericht über “Die Nacht, als es gefährlich wurde, in Tel Aviv zu demonstrieren” – weil die Demonstration nämlich von Siedlern angegriffen wurde, die Matar unverholen und zu Recht Faschisten nennt. Drei linke Aktivisten wurden verletzt, einer davon krankenhausreif.

 

Sonntag, 13. Juli 2014

 

ABC RuinenInzwischen sind die Opfer der Familie el-Batch beerdigt worden, eingehüllt in die grünen Tücher der Hamas, denn zu der gehörte Vater el-Batch.
Zu den Toten gehören allerdings auch seine Schwägerin, ihr Mann und beider sieben Kinder im Alter von 13 bis 28. Warnungen gab es nicht, bevor das Haus der Familie elBatch dem Erdboden gleich gemacht wurde. Offenbar hat Israel sich nicht sonderlich an Kollateralschäden gestört, die eine ganze Familie mit sieben Kindern betrafen.

Wie zu erwarten haben die vorgewarnten Bürger Nordgazas ihren Wohnort verlassen. Ca. 4.000 sind erst mal in acht Schulen vorübergehend unter gekommen. Ob ihre Häuser noch stehen, wenn sie zurück kehren, weiß niemand.

Waffenstillstandsforderungen der UNO hat Israel ignoriert, statt dessen die Angriffe noch ausgeweitet.

Die Opferzahl wird heute morgen mit 159 Tote und 1070 Verletzte angegeben.

FlugblattHeute gegen 12:00 Uhr plant Israel einen schweren Luftschlag gegen “Infrastruktur und Terroristen” in einem Gebiet in Gaza. Man darf befürchten, dass sie es platt machen wollen. Da aber überall in Gaza gebombt und zerstört wurde, stellt sich in der Tat für die Bewohner die Frage, wo sie denn noch hin sollen. Mit einem Flugblatt, aber auch Telefonanrufen warnte die IDF davor, wie auch Israel National News berichtete. Sie verweisen auch auf eine Fernsehmeldung in Gaza vor einigen Tagen, wonach die Hamas die Bevölkerung aufgerufen habe, menschliche Schutzschilde zu bilden. So was ist natürlich immer eine gute Entschuldigung für die Opferzahlen, es kann jedoch bezweifelt werden, dass die Hamas in Gaza so viel Rückhalt hat, dass ein solcher Aufruf irgend jemanden schert.
Weiteres in den ABC News.

Demo Frankfurt

Demonstration in Frankfurt

Weltweit wird weiterhin über eine Menge Demonstrationen gegen Israels Krieg gegen Gaza berichtet, die, auch den Fotos nach zu urteilen, allgemein unerwartet groß erscheinen. Auch in Deutschland scheint die Polizei mancherorts von der Wucht und Teilnehmerzahl solcher Demonstrationen überrascht zu sein.

Fox NewsIsraels Haus- und Hofsender Fox News berichtet, dass vier israelische Soldaten verwunden worden sein sollen, als sie nach Nordgaza, also wohl die Region, die bombardiert werden soll, eindrangen, um dort Raketenabschussrampen zu zerstören.
Fox News muss derzeit eine Menge Hohn und Spott ertragen, hatte der Sender doch kürzlich vermittels eines Fotos behauptet, die Zerstörungen, die Israel in Gaza angerichtet habe, habe die Hamas in Israel angerichtet.

 

 

Samstag, 12. Juli 2014

Inzwischen  gibt es einen zutiefst empörenden  Bericht von AFP über die Zerstörung der Behinderteneinrichtung.

Demo München

Japan 120714

 

 

Inzwischen gibt es weltweit weitere Propalästinensische Demonstrationen, hier eine in Japan, wahrscheinlich Tokio. Auch in München gab es eine Demonstration. Typisch, dass , ob nun zionistisch oder antideutsch, München erst mal als “Hauptstadt der Bewegung” wieder in Richtung Nazi gerückt wurde.

Lt. Gesundheitsministerium in Gaza ist die Opferzahl inzwischen auf 135 Getötete und 950 Verletzte angestiegen.
Zerebral Gelähmter Ben Wedemann (CNN) publiziert dieses Foto eines zerebral gelähmten Jungen, Bewohner des Heimes für Behinderte, das Israel heute zerstörte. Er leidet nun unter Verbrennungen 3. Grades auf 11 % seines Körpers.

“Wir sind Gazas Big Brother”, der Spiegel schreibt heute über die massive Überwachung des Gaza-Streifens.  Das zeigt zwei Dinge: zum Einen, dass Israel ein recht großes Interesse daran hat, überwachungskritische Bewegungen unter seine Fuchtel zu kriegen, ist doch das, was dort geschieht, all das, wogegen wir hier mit aller Vehemenz angehen und was wir unbedingt vermeiden wollen. Zweitens aber zeigt es, dass mit dieser Überwachung gar nichts zu gewinnen ist. Denn die Profis von der Hamas wissen genau so, wie es die Profis von el-Qaeda wussten, wie man die Systeme austrickst. Unter der Überwachung leiden muss immer nur die Zivilbevölkerung, die nicht nur Würde und Privatheit verliert, weil sie als permanentes Bewachungsobjekt herhalten muss, sondern weil höchst zweifelhafte Erkenntnisse als Rechtfertigung herhalten, sie hemmungslos anzugreifen und zu terrorisieren. Ja, erzählen kann man viel, von wegen Zielobjekt als gefährlich ausgemacht und weiß der Deuvel was. “Wir haben gesehen …” einen Scheißdreck haben sie gesehen. ‘Nem ollen Libyenkrieger kann man weder was von Präzisionsschlägen erzählen, der weiß nämlich, wie die aussehen und dass da eben nicht die Nachbarhäuser mit zusammen fallen (das nämlich ist nur in der Phantasie der Russlandfreunde geschehen), dass es hingegen großer Sorgfalt und Aufklärung am  Boden bedarf, um echte Ziele von Tarnungen zu unterscheiden. Etwas, was nun mal in Feindesland nicht möglich ist.
Man lasse sich nichts erzählen. Erst nach 81 Toten traf es erstmals einen Hamas-Kommandanten. Zerstört wurden keine Kommandozentralen, sondern Wohnhäuser, Krankenhäuser, Behinderten- und Seniorenpflegeeinrichtungen und Moscheen. Dies ist kein Krieg gegen die Hamas. Dies ist ein Terror- und Rachefeldzug gegen die Bevölkerung des Gaza-Streifens, 1,7 Millionen Menschen, die Israel gerne los werden würde, da sie mit anderen nichtjüdischen Palästinensern zusammen in wenigen Jahrzehnten die Bevölkerungsmehrheit im angestrebten Groß-Israel haben werden.  Los werden, indem sie terrorisiert und drangsaliert werden – und gleichzeitig aufgefordert werden, sich in Sicherheit zu bringen; wohin? Na, nach Ägypten werden die Israelis hoffen. Doch Ägypten wird ablehnen.

Video aus Gaza von Ben Wedemann für CNN.
Wedemann zeigt, wie die Zivilisten danach trachten zu überleben und vor allem ihre Kinder in Sicherheit zu  bringen. Entgegen den israelischen Behauptungen stellt er fest, dass die Zivilisten keineswegs vor Bombenangriffen gewarnt werden. Die Bomben und Raketen kommen überraschend aus dem Blauen, denn Luftschutzsirenen gibt es in Gaza ebenso wenig, wie Schutzräume oder einen Iron Dome wie in Israel.
Menschen in einem Ort nahe der israelischen Grenze wurden per Telefonanruf in arabischer Sprache mit hebräischem Akzent aufgefordert, den Ort zu verlassen. Es sei aber egal, ob man dem nachkomme oder bleibe, denn es gäbe keinen sicheren Ort in Gaza, wo man hin könne: “Dies ist Gaza, da gibt es kein Entkommen”, so Wedemann.

Palästinensischerseits – u.a. von Abbas – wird der Gaza-Krieg inzwischen als Völkermord bezeichnet. Begründet damit, dass die Zivilbevölkerung keine Schutzmöglichkeiten hat, wegen der hermetischen Abriegelung auch nirgendwo hin fliehen kann. Dass die angeblichen Warnungen durch die IDF nicht funktionieren, erkennt man an der Zahl der Toten und Verletzten. Gaza, Palästina überhaupt, hat weder Land-, noch See- oder Luftstreitkräfte. Tatsächlich ist es vollkommen hilflos. Und dieses gößte Freiluftgefängnis der Welt wird nun alle zwei Jahre von Israel bombardiert. Wobei hinzu kommt, da Israel kein Baumaterial durch die Grenze lässgt, worunter die Zivilbevölkerung leidet, denn die Hamas ist immer noch in der Lage, ihren Bedarf zu schmuggeln, können die zerbombten Häuser auch nicht wieder aufgebaut werden. Zu den Obdachlosen des letzten Gaza-Kriegs von 2012 kommen nun also neue Dauerzelter hinzu.

Es ist schon seit längerem in allen Kriegen üblich, der jeweils anderen Seite vorzuwerfen, sie würde Menschen als Schutzschilde missbrauchen. Muss man wissen, ist nichts besonderes.
Nun gibt es in Gaza bekennende Schutzschilde, nämlich acht europäische und amerikanische Aktivisten, die mit sich selbst ein Krankenhaus schützen, das bereits zwei Mal von Israels Luftstreitkräften angegriffen wurde. Es ist das einzige Spezialkrankenhaus zur Rehabilitation von Senioren in Gaza. Derzeit werden dort 30 alte Menschen behandelt.

Robert Fisk , ein unter internationalen Journalistenkollegen, aber auch Politikern hoch angesehener Kriegsberichterstatter und Nah-/Mittelostspezialist hat sich zu Wort gemeldet. Fisk, Jahrgang 1946, ist u.a. damit berühmt geworden, dass es ihm als einzigem gelungen ist, Osama bin Laden zu interviewen.
Schon am 05. Juli schrieb er in seinem Stammblatt “The Independent” über “Die Wahrheit über die israelische Propaganda“. Darin vergleicht er die Taten der Piraten im Indischen Ozean, die seinen Zorn erregten, mit dem Kapern des türkischen Hilfsschiffs vor Gaza, bei dem neun Menschen getötet wurden, angeblich, so die israelische Propaganda, alles Terroristen. Das Töten habe ihn nicht überrascht, denn er habe dieses “undisziplinierte Gesindel von einer Armee” im Libanon Zivilisten erschießen  und als gleichartig dem undisziplinierten Gesindel von arabischen Armeen gesehen. Er erinnert an den Goldstone-Report, der auch Israel Kriegsverbrechen in Gaza bescheinigt, was als antisemitisch verdammt wurde. Fisk empört sich: “Der arme, alte, ehrenvolle Goldstone, selbst ein prominenter jüdischer Jurist aus Südafrika, verleumdet als “bösartiger Mann” vom rasenden Al Dershowitz von Harvard”. Der Report sei dann “kontrovers” genannt worden, was Fisk mit “fuck you” übersetzt.
Fisk stellt fest: “Die erstaunliche Sache bei alledem ist die, dass so viele westliche Journalisten […] wie israelische Journalisten schreiben, während viele israelische Journalisten über das Töten mit einem Mut schreiben, den die westlichen Journalisten zeigen sollten.” Und da wird ihm wohl jeder, der die unterschiedlichsten Berichte über längere Zeit verfolgt hat, zustimmen.
Zynisch-resignierend meint er, Propaganda funktioniert und meint, dass sich so lange nichts ändern wird, so lange die Welt nicht aufwacht und die grausame Wirklichkeit hinter der Propaganda erkennt.

 

11. Juli 2014

London 110714Inzwischen beginnen die ersten Palästina-Solidaritätsdemonstrationen. Hier eine in London vor der israelischen Botschaft; angegeben wurde eine Teilnehmerzahl von 10.000. Demonstrationen gab es heute auch in Kanada und den USA.

Gefakete Verletzungen

Bild des Tages: israelische Soldatinnen faken Verletzungen

Kim Sengupta, in Gaza stationiert, schreibt im Independent über “den schrecklichen Preis, den Kinder für Israels Krieg mit Hamas zahlen“. Stand 11. 07.2014,  unter 103 Toten 22 Kinder, 70 % der 700 Verwundeten Frauen und Kinder. Sengupta berichtet über beispielhafte Einzelfälle aus Gazas Krankenhaus.

 

 

 

 

 

10. Juli 2014

Bewohner von Sderot begucken GazaDas Bild des Tages für die Palästina-Solidarität ist ein Foto aus Sderot: an der Grenze zu Gaza haben Israelis Stühle herbei geschleppt zum vergnügten Public Viewing des  Bombardements von Gazas Zivilbevölkerung.

 

 

 

 

 

 

 

 

08. Juli 2014

Beginn des aktuellen Gaza-Krieges unter dem Namen “Schutzschild”

 

Update:

Inzwischen hat eine medizinische Untersuchungskommission einen ersten Bericht über den Gaza-Krieg und seine Folgen heraus gegeben.

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