23 praktische Argumente …

“aus dem Handbuch des Zionisten” von Steven Salaita, publiziert auf Electronic Intifada. So schön typisch, geläufig und amüsant, dass ich sie übersetzt habe:

Was folgt, sind 23 praktische Argumente, die Sie verwenden können, um solchem Unsinn, wie Tatsachen und Beweismitteln zu begegnen, zur fairen Verteidigung der Ehre Israels.

  1. Aber … aber … alle anderen machen auch schlechte Sachen!

  2. Demokratie. Wir haben sie. Ihr nicht.

  3. Der Holocaust!

  4. Wenn Logik und Fakten sich gegen Sie wenden, rufen Sie: “Sie sind wirklich gemein!” (Hinweis:. Wenn Sie eine weiße Frau sind, ist es empfehlenswert,  an dieser Stelle zu weinen).

  5. Gaza hat Tunnel! Und Raketen! Wie soll unsere Armee mit ihren 15.000.000.000 $ Jahresbudget und Atomwaffen das bewältigen?

  6. Nuh uh. G-tt hat es gesagt. Es ist alles richtig,was in der Bibel steht.

  7. Ich bin hier das Opfer!

  8. HitlerHajjHusseiniProtokollemurmelmurmelHitlerHusseiniHitlerHitlerPalestinaHitler

  9. Terrorismus! Oh so viel Terrorismus! Teeerrrroooor! T und E und R und R und O und R und I und S und M. Habe ich schon Terrorismus erwähnt? (Anmerkung: buchstabiert man das  Wort, lässt sich auch bequem die Internationale Solidaritäts-Bewegung für Palästina einschließen).

  10. Antisemitismus!

  11. ALLES. WAS. SIE. SAGEN. IST. EINFACH.  NICHT. FAIR. (Hinweis: Dies ist ein guter Zeitpunkt, um mal wieder mit Antisemitismus zu kommen).

  12. Mann, guck mal, wenn die ADL das sagt, muss es wahr sein. Das ist eine Bürgerrechtsorganisation.

  13. Hamas!

  14. Dieses Gespräch tut mir weh. (Denken Sie daran: es geht nur um Sie und wie Sie sich fühlen).

  15. Aber wir lieben die Homosexuellen!

  16. Der Prawer Plan ist unvermeidlich: indigene Völker haben immer dem Fortschritt im Weg gestanden.

  17. Meine Großeltern mögen aus Polen sein, aber meine Vorfahren sind aus Samaria.

  18. Sollen etwa die Amerikaner den Indianern das Land zurück geben? (Hinweis: Dieses Argument wird bei Liberalen besonders überzeugend sein, die, während sie  laut ihre Unterstützung für die eingeborenen Amerikaner bekennen, die Idee komisch finden, Macht oder eines ihrer Privilegien mit den Indianern teilen zu sollen).

  19. Hey, wir haben nur 54 Prozent Ihres Landes zurück gestohlen und Sie werden darüber schon total verrückt.

  20. Einstein, Hannah Arendt und Buber waren sehr schlichte Denker, verglichen mit Dershowitz, Horowitz und Friedman.

  21. Die Araber haben Matzenkloßsuppe und Kreplach gegessen, bevor wir bei ihnen Hummus, Falafel und Tabbouli einführten.

  22. Es gab nie einen palästinensischen Staat. Das alte Israel hingegen war nicht nur eine biblische Epoche, sondern auch wohlangesehenes Mitglied der Vereinten Nationen.

  23. Wir sind das Licht für alle Nationen. Wenn Sie freundlicherweise damit aufhören würden, Israel auszusondern …

Palästina

(31.12.2013)

Steven Salaitas Geschichte

Das ist Steven Salaita.
Steven SalaitaEr war außerordentlicher Professor für amerikanisch-indianische Studien an der Universität von Illinois / USA.
War heißt, er ist gefeuert worden.
Wobei dies noch nicht ganz klar ist, denn es ist eine neue Position. Allerdings hatte er wegen ihr seine sichere Position an der Virginia Tech bereits aufgegeben. Nicht nur Electronic Intifada meint, das macht kein Mensch, wenn er nicht schon eine sichere Zusage für eine andere Position hat. Doch ist der längst noch nicht klare Unterschied zwischen gefeuert und Angebot zurück gezogen sehr wichtig. Denn wenn lediglich ein Angebot zurück gezogen wurde, genießt der Betreffende kaum noch Rechtsschutz und das bedeutet hier: Existenzgefährdung.

Warum wurde er gefeuert?

Steven Salaita ist Pro-Palästina. Und das drückt er auch aus: er hat ein Buch geschrieben, “Israels tote Seele”, hat einen Blog auf Electronic Intifada und – twittert.

Salaita wurde überwacht. Sorgfältig und über Monate, auch sein Twitterkonto. Mit Screenshots natürlich. Von Cary Nelson, einem einflussreichen Englischprofessor an der Universtiät von Illinois, bekannt als Verteidiger der akademischen Freiheit, weniger bekannt als entschiedener Anti-Palästinenser und nach eigenem  Bekenntnis Zionist.  Die Methode kenne ich: man beschließt, der muss weg, und dann beobachtet man sorgfältig seine Äußerungen, bis man etwas gefunden hat, was man sich irgendwie als Fehlverhalten zurecht biegen kann. Bisschen fälschen, bisschen aus dem Kontext reißen, bisschen dramatisieren – passt schon.

“Das ist zutiefst verstörend”, meint MondoWeiss, “die Lobby schläft nie”.

Dann begann es mit Stimmungsmache, das Opfer ins Gespräch bringen, am 21. Juli, auf diesem vergleichsweise unbedeutenden anti-palästinensischen, rechtsgerichteten Portal: Salaita sei zwar als umgänglich und cool beschrieben worden, tatsächlich aber sei es so: “der Professor ist ein widerlicher, Obszönitäten schleudernder Dummkopf ‘mit schwarzem Gürtel’ auf Twitter.” Was selbstverständlich Pressefreiheit ist und nie nich beleidigend. Eine Reihe später auch verwendeter Tweets wurde dann angeführt.

Gewaltdrohung ist immer gut. Wissen wir. Also klagte Nelson Salaita der “Aufstachelung zur Gewalt” an. Womit? Mit einem Retweet. “Jeffrey Goldbergs Story hätte an der Spitze eines Klappmesser enden sollen”. Goldberg, ehemaliger israelischer Gefängniswärter, der mit half, Folter und Missbrauch von Palästinensern zu vertuschen und nun in The Atlantic schreibt, ist einer der prominentesten Verteidiger des Bombardements auf Gaza, bei dem über 2.000 Menschen getötet wurden, darunter rund 500 Kinder. Goldberg ist  Hardcore-Zionist. Salaita, bekannt für beißendenWitz, fand wohl die Formulierung lustig und retweetete; eine Aufhetzung zur Gewalt wird  kein vernünftiger Mensch darin erkennen.

Mehr Aufstachelungen zu Gewalt konnte Nelson trotz hochnotpeinlicher Nachfrage nicht anbringen. Aber in der Masse hätten seine Tweets eine rote Linie überschritten und in letzter Zeit sei er noch viel aggressiver geworden. Am 8. Juli habe er getwittert: “Wenn Sie #Israel genau jetzt verteidigen, sind Sie ein scheußlicher Mensch.” (es sei erinnert, am 08.07. begann der Luftangriff auf Gaza). Das könnte bedeuten, dass Studenten, die in Salaitas Unterricht sitzen und Israel verteidigen, mit einer feindseligen Umgebung konfrontiert sein könnten. Na, da hat man doch volles Verständnis für. Allerdings gab er zu, dass Salaita nicht für Palästina-Studien engagiert worden sei, insofern keine Gefahr bestehen dürfte.

Nelson fand dann doch noch ein Beispiel für Gewalt. Politische. Nämlich in Salaitas Engagement für die Wirtschaftsboykottbewegung BDS. Da würden sich nämlich auch der palästinensische Politiker Omar Barghouti (der freilich in Palästina für gewaltlosen Widerstand eintritt, siehe die Besetzer-Aktion “Salz der Erde”) und die Philosophin Judith Butler engagieren, bekannt nicht nur als Ideengeberin des modernen Feminismus, sondern auch, weil die Zionisten schier Amok liefen, als sie mit dem Frankfurter Theodor W. Adorno-Preis ausgezeichnet wurde. Und Baghouti und Butler würden das Recht Israels, als jüdischer Staat zu existieren, zur Diskussion stellen. Das also sei politische Gewalt. Einen Professor deswegen zu feuern natürlich nicht.

Immerhin, auch das kennen wir. Umgang mit den angeblich falsche Leuten reicht schon, um jemanden zum gefährlichen Extremisten zu stempeln, der zu eliminieren ist.

Electronic intifada ist ein vorwiegend von Journalisten betriebenes Magazin mit viel Erfahrung in investigativem Journalismus. Sie haben zu dieser Affäre einen weiteren Artikel heraus gebracht. Darin geht’s um die sattsam bekannte Frage: wer war’s? Denn verborgen blieb diese Sache natürlich nicht. Sie wurde durchaus nicht positiv oder auch nur neutral aufgenommen, auch nicht an der Universität Illinois; vielmehr betrachtete man sie als Angriff auf die akademische Freiheit (siehe auch Jake Flanagin in einem Blogpost für die durchaus israelfreundliche New York Times). In solchen Fällen will es natürlich nie jemand gewesen sein.

Transparenz kann für Lobby-Gruppen schon mal ‘ne Plage sein.

Die Jüdische Föderation hat erklärt, bei der Affäre keine Rolle gespielt zu haben. Ihre Direktorin Jessica Kopolew versicherte telefonisch, dass sie sich immer für die freie Rede einsetzen und die respektvolle Diskussion kontroverser Meinungen stets fördern würden.

Nun ja. Aus Erfahrung nehme ich mal an, mit Respekt ist gemeint, Respekt vor Israel und seinem Wunsch und Willen.

header4Die Jüdische Föderation an der Uni Illinois ist übrigens verbunden mit den Jüdischen Föderationen Nordamerikas und diese wiederum mit dem Jüdischen Rat für öffentliche Angelegenheiten.  Und die beiden hatten bereits 2010 eine mehrere Millionen Dollar schwere Kampagne zur Bekämpfung der Wirtschaftsboykottbewegung BDS und der “Delegitimisierung des Staates Israel” gegründet; mit “Delegitimisierung” sind Ansichten gemeint, wie sie auch Judith Butler vertritt.
Wie gesagt, Salaita setzt sich für diese BDS-Bewegung ein – und zu der gehören Butler und Barghouti.

Am selben Tag, nämlich dem 22. Juli, an dem die o.g. The News-Gazette ihren Salaita-Hetz-Artikel veröffentlichte, schickte Kopolew eine Rundmail an die Jüdische Föderationen-Liste, verwies auf eben diesen Artikel und schrieb: “Bitte seien Sie versichert, dass wir tun, was wir können und Sie über jeden Schritt auf dem Weg unterrichten werden.” Diese Mail geriet in die Hände von ei; Kopolew hatte also mit der Behauptung gelogen, bei der Affäre keine Rolle gespielt zu haben

Einer darf natürlich bei der Sache nicht fehlen: das auch hier in Deutschland aus der Günter Grass und Jakob Augstein Affäre sattsam bekannte Simon-Wiesenthal-Center, das gleich über seinen Direktor schamlos direkt eingriff, in einem Brief an den Präsidenten der Universität Illinois Robert Easter Salaita in sattsam bekannter Manier als Antisemiten diffamierte und verlangte, die Universität möge gefälligst die Einstellung von Salaita noch mal überdenken.
Die Jewish Voice berichtete dann auch darüber am 06. August; als der Käse gegessen war.

Den Status des Simon-Wiesenthal-Centers als Menschenrechtsorganisation sollte man vielleicht auch mal überdenken, da es diese Menschenrechte doch recht einseitig vertritt, damit, dass es die Menschenrechte derer, die nicht zur eigenen Peergroup gehören, mit Füßen tritt.

Zionistische Lobby passt da schon eher.

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